Dienstag, 8. November 2011

Rezensionen und der Pressekodex

Hallo alle miteinander!

Wie fleißige Leser-chans wissen, studiere ich Journalismus. Unter anderem haben wir in diesem Semester das Fach Medienethik. Wir diskutieren über verschiedene 'Vorfälle' in der Presse, was Journalisten erlaubt ist, was nicht, nach welchem Kodex man sich richten kann und sollte. Für uns ist das der Pressekodex, der vom deutschen Presserat herausgegeben/aufgestellt wurde.

Wie ich nun auf diesen Trichter komme?
Nun, wir haben uns gestern unter anderem über die Ziffer 7 unterhalten: Trennung von Werbung und Redaktion. Das kenne ich bereits aus meiner Ausbildung und das Thema wurde seit jeher heiß diskutiert. Auch gestern in unserer Vorlesung. Das möchte ich jetzt aber nicht weiter ausweiten (denn ich denke, es interessiert euch eher weniger), sondern zum Punkt kommen, warum ich mir heute den Pressekodex in Bezug auf (meine) Rezensionen zur Brust nehme. Übrigens spielt Ziffer 15 - Vergünstigungen - wohl auch eine Rolle.

Dazu zwei Zitate aus oben genanntem Pressekodex:
Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden.
[Quelle: Pressekodex, Ziffer 7]

Die Annahme von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar.
[Quelle: Pressekodex, Ziffer 15]

Jetzt werdet ihr euch sicher fragen, warum ich gerade den Pressekodex anspreche. Und was hat das mit Rezensionen zu tun? Blogger sind doch keine Journalisten, oder?

Nein, ich glaube 'wir' Buch-Blogger sind keine. Auch wenn das ein gewisser Herr anders sieht oder sehen will. Aber dieses 'skandalöse' Interview, eine Entwicklung, die ich nun schon etwas länger beobachte und die gestrige Vorlesung gaben mir den kleinen Anstoß zu diesem Blog-Post.
Zwar sind wir Blogger keine Journalisten, aber viele Blogger bekommen Rezensionsexemplare. Nun kann man das zweierlei sehen: Bin ich als Blogger dann die Werbefläche vom Verlag? Oder bin ich dann doch eher der 'Journalist', der seine Meinung kund tut?

Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht. Denn ich fordere zwar explizit keine Rezensionsexemplare vom Verlag direkt an und habe dies auch nicht vor. Aber ich benutze immerhin Plattformen wie vorablesen, Buchbotschafter, Blogg dein Buch oder nehme auch mal an einer Verlagsaktion teil. So komme ich, mehr oder minder direkt, ja auch an Rezensionsexemplare, also Vergünstigungen. Und da ein Blog so irgendwie auch zur Werbefläche wird, liegt der Verdacht von "Vermischung von Redaktion und Werbung" nahe.
Nun, ich bin (noch) keine Journalistin und hier auf diesem Blog, den ich privat und als Hobby betreibe, schon gleich dreimal nicht. Trotzdem ist mir meine unabhängige Meinung sehr wichtig. Was mich nahtlos zu dieser Entwicklung bringt: Mir ist aufgefallen, dass Blogger, die Rezensionsexemplare bekommen, diese scheinbar prinzipiell recht gut bewerten (oder: zu bewerten scheinen). Mal davon abgesehen, dass ich oft Rezensionen zu Rezensionsexemplaren lese, die sich nicht mal "Meinungsäußerung" schimpfen dürften.

Mit Rezensionsexemplaren ist das immerhin so eine Sache. Man freut sich ja total, wenn man als Leseratte ein Buch kostenlos in Händen halten und lesen darf. Da ist die Leseratte dem Verlag natürlich dankbar und hat vielleicht ein schlechtes Gewissen, dass ihr das Buch dann doch nicht ganz so gefallen hat. (Es gibt natürlich auch zahlreiche Ausnahmen!) Also, was tut die Leseratte? Weil sie ja weiterhin kostenlose Exemplare vom Verlag ergaun... äh, erhalten möchte, schreibt sie eine super positive Rezension. Und fügt vielleicht ein "Ein Minikritikpunkt (...)" ein und vergibt von 5 möglichen Punkten 4,9.

Erinnert euch das an was? Ja? Haben wir hier Automagazin-Leser unter uns? Reisejournal-Leser? Und wie war das noch mal mit Werbung und redaktionellem Inhalt? Cosmopolitan? Brigitte? Frauenzeitschriften im Allgemeinen anyone?
Wenn das also 'richtige' Journalisten machen (dürfen), warum dann die Blogger-Leseratte nicht auch? Man lebt es ja vor, liest es überall. Es scheint Gang und Gäbe zu sein. Warum ich nicht auch?

Ich weiß nicht, in welche Redaktion es mich irgendwann einmal verschlagen wird. Fakt ist aber, dass ich mir auf diesem Blog meine Meinung erhalten will. Wenn ich ein Buch schlecht finde, dann könnt ihr euch sicher sein, dass ich das auch so sage (und es begründe oder zumindest versuche!). Wenn ich es gut/toll/spitze finde, dann könnt ihr euch ebenfalls sicher sein, dass ich das so sagen werde. Egal, ob ich mir das Buch selbst gekauft, es gewonnen, als Reziexemplar oder geschenkt bekommen habe.
Tatsächlich muss ich aber vor mir selbst gestehen, dass ich kein superkritscher Leser bin. Ich bin kein Fan von "schwerer", "intellektueller" Literatur (wie man, denke ich, an meinen Rezensionen und Buchgeschmack sehen kann). Entweder ein Buch packt mich und kann mich begeistern - oder eben nicht. Ich analysiere im weitesten Sinne nicht und ich maße mir auch nicht an ein objektives Urteil zu bilden (wie es der gewisse Herr gerne unterstellt), denn dafür bin ich einfach nicht ausgebildet.

Dieser Blog ist ein privater Blog, auf dem ich meine Meinung zu meiner privaten Lektüre poste und ich halte mich, trotz allem, an gewisse Regeln. Diese schließen im weitesten Sinn nun mal gerade die Ziffern 7 und 15 des Pressekodex ein: Ich lasse mich nicht bestechen und meine Meinung wird frei geäußert!

Habt ihr euch auch schon mit diesem Thema auseinander gesetzt? Wie haltet ihr das? Habt ihr auch eure 'persönlichen' Regeln, was ihr auf eurem Blog postet und was nicht? Wie weit würdet ihr für ein Rezensionsexemplar gehen?

Kommentare:

  1. Die vielen übermäßig positiven Rezensionen sind mir nicht nur bei Rezensionsexemplaren aufgefallen. Ich selbst frage auch bei Verlagen an und zwar Bücher, die ich mir auch kaufen würde. Deshalb bekommen die Bücher dann auch meist eine gute Bewertung. Allerdings scheue ich mich auch nicht davor, ein Buch mal schlechter zu bewerten. Wenn dem Verlag das nicht passt, hat er Pech gehabt und wenn ich dann keine Exemplare mehr bekomme, ist das so.

    AntwortenLöschen
  2. persönlich traue ich mich oft nicht Bücher total fertig zu machen, da ich manchmal das Gefühl habe, dass vieles Geschmackssache ist. Dacher lasse ich nicht selten Rezensionen zu Büchern, die mir nicht gefallen, unter den Tisch fallen...Bei Reziexemplaren sieht es dann anders aus. Klar habe ich kein Problem damit Schundbücher auch wenn Sie Leseexrmplare sind, in den Boden zu treten aber gerade soll ich ein Buch, das eher zu "höheren Literatur" zählt bewerten und da wird mir schon Angst und Bange weil ich das Gefühl habe, dass ich das Buch vielleicht einfach nicht verstanden habe...in solchen Momenten neige ich schon dazu ein Buch objektiver zu sehen und daher vielleicht ein wenig besser zu bewerten als ich es für mich selbst tue...

    AntwortenLöschen
  3. @ Caro:
    Ich seh's ja an mir: Die letzten Bücher hab ich alle durchweg recht gut bewertet. Vielleicht hatte ich da gerade den richtigen Riecher? Ich mein, wenn du dir ein Buch selbst kaufst oder ausleihst oder eben anforderst, wo du dir recht sicher bist, dass es dir auch gefällt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sicher höher, dass deine Bewertung gut ausfällt. Logisch.
    Ein Buch schlechter zu bewerten, nur weil man sich dazu gedrungen fühlt, ist ja genauso 'Mist'.

    @ Viktoria:
    Man muss ein Buch ja nicht total fertig machen. Aber ich denke, dass manche sich oft davor scheuen, zu sagen "Das fand ich nicht gut" oder "Hat mir nicht so viel Spaß gemacht Buch XY zu lesen".
    Ich denke, solange man betont, dass es seine Meinung ist und die (für einen selbst) negativen Aspekte zu begründen (also nicht zu schreiben "war Scheiße", sondern "mir hat der Schreibstil nicht zu gesagt, weil die Sätze zu verschachtelt waren"/"es hat mir an Emotionen gefehlt/starken Verben" oder dergleichen), kann man auch ruhig ein Buch so beschreiben. Klar, hab ich auch schon grottige Bücher gelesen, aber die haben auch immer wenigstens 1 oder 2 Punkte von mir bekommen (glaub ich... Mir fällt spontan jedenfalls keins ein).
    Mir ging's auch nicht drum, dass man sagt: "Eigentlich würd ich für mich jetzt 1 Punkt vergeben, aber weil's ein Reziexemplar war... na, geb ich halt 2 Punkte." Sondern, dass mir manche Rezensionen zu Reziexemplaren sehr euphorisch und toll erscheinen. Und man sich schlichtweg scheut zu sagen, was einem (vielleicht) nicht gefallen hat. Oder dann nur den obligatorischen 5-Zeiler zu schreiben...
    Wie gesagt: Es gibt ja Ausnahmen - zum Glück!

    AntwortenLöschen
  4. Hallo,

    ich finde es wirklich interessant, was du geschrieben hast.

    Ich denke auch, dass es Blogger gibt, welche Rezi-Exemplare nicht wirklich schlecht bewerten, aus Angst dann keine mehr zu bekommen. Das finde ich schade und ich lese dort dann auch die Rezis mit einem anderen Blickwinkel. Denn wenn ich einmal diesen Gedanken habe, kann ich die entsprechende Rezension nicht mehr ernst nehmen. Damit habe ich sicherlich auch schon einigen Unrecht getan, nämlich denen denen die Bücher wirklich einfach gut gefallen, aber wenn dieser Gedanke einmal in meinem Kopf ist, werde ich ihn nur schwer wieder los.

    Zum Glück gibt es jedoch auch genügend Blogger, die ihre Meinung ehrlich sagen und ihre Bewertungen nicht aus Angst verschönern.

    Wenn ich ein Buch bewerte, gehe ich da nicht anders vor als wenn ich es mir gekauft hätte. Ich habe Rezensionsexemplare auch schon abgebrochen und das dann auch genauso in die Rezension geschrieben. Mir ist es wichtig, mich mit meinen Rezensionen wohl zu fühlen - und das tue ich nur, wenn sie ehrlich sind.

    Vor einer Weile habe ich einige Anfragen von Autoren bekommen, ob ich ihr Buch rezensieren mag. Das waren alles Bücher von mir unbekannten Autoren und mir unbekannten Verlagen bzw. BOD. Mit der Anfrage kam dann jedoch gleich die Aufforderung nur eine positive Rezi zu schreiben und meine Rezi falls sie schlecht ausfällt nicht zu veröffentlichen. Diese Anfragen habe ich alle abgelehnt und entsprechend beantwortet. Daraufhin habe ich in mein Impressum geschrieben, dass ich keine Gefälligkeitsrezensionen schreibe und seitdem habe ich auch keine solche Anfragen mehr erhalten sondern nur noch seriöse Anfragen.

    Regeln bezüglich des bloggens habe ich für mich persönlich auch. Ich schreibe keine Gefälligkeitsrezensionen und sage ehrlich was ich denke. Das ist mir am wichtigsten. Zudem möchte ich unabhängig bleiben und lasse weder mich, noch meine Meinung noch meinen Blog kaufen.

    Eigentlich wollte ich gar keinen Roman schreiben, aber es sprudelte gerade irgendwie so aus mir raus, weil ich mich in der letzten Zeit auch sehr mit dieser Thematik beschäftigt habe ;)

    Liebe Grüße,
    Jai

    AntwortenLöschen
  5. Eine ähnliche Frage habe ich mir auch gestellt.
    Und genau wie Caro frage ich eigentlich fast nur Bücher an, die mir auch zusagen, und deswegen gut abschneiden in der Rezension.
    Ich entschuldige mich bei schlechten Rezensionen in einer Mail, aber wenn ich für einen Verlag viel rezensiere, und da kommt immer etwas Gutes bei mir an, dann sollte auch mal eine Niete darunter sein können.

    AntwortenLöschen
  6. Also ich schreibe meine Rezensionen wie ich es will und lasse mich dann auch nicht von Verlagen bestechen oder sonst etwas. Gut, ich beantrage Rezensionsexemplare und mittlerweile nicht nur von den üblichen Verlagen wie die, die unter der Randomhousegruppe sind. Auch Diogenes zählt dazu und ich sage meine Meinung, so wie ich es empfinde. Wenn in meinen Augen ein Buch aufgrund seiner Ausführung, sei es jetzt Charaktergestaltung oder stilistische Mängel, schreibe ich das auch hinein. Wenn inhaltlich für mich Logikfehler eintreten, kommen auch diese in die Buchbesprechung. Und bisher hat sich noch kein Verlag darüber beschwert und ich wurde schon einmal von einem Verlagschef selber angeschrieben, dass er mir in den Punkten rechtgibt und die Kritik gerechtfertigt war.
    Obwohl ich also Rezensionsexemplare bekomme, bewerte ich sie wie jedes andere Buch, was ich in die Hand nehme. Mit allem anderen würde ich mich selbst verraten und nicht hinter meiner Sache zu 100% stehen.
    Das heißt im Endeffekt: Wenn das Buch für mich eine Katastrophe war und es war eine Rezensionsexemplar, schreib ich trotzdem es ist eine Katastrophe und ich entschuldige mich nicht für eine schlechte Rezension. Schlussendlich sieht wir trotzdem in gewisser Weise "Presse" und damit keiner positiven Meinungsäußerung verpflichtet.

    AntwortenLöschen
  7. Gut das ich mir solche Fragen gar nicht stellen muss, da ich keine Rezensionsexemplare bekomme und insgesamt war das für mich die richtige Entscheidung, so bin ich wirklich frei in meiner Meinung. Ich würde zwar dennoch keine Rezension schreiben, in denen in den Autor oder den Roman beleidige, ein bisschen niveauvoller kann man auch Kritik verfassen. :D

    Wenn ich Rezensionsexemplare bekommen würde, fände ich es mit Sicherheit schwieriger einen Veriss zu schreiben, ich würde ihn dennoch schreiben, mich aber nicht so gut und frei fühlen wie jetzt. Wer würde das schon, man hat das Rezensionsexemplar schließlich mit der Hoffnung des Verlages bekommen, dass es einem gefällt.

    Ich bekomme so zwar keine "kostenlosen" Bücher und gebe dadurch vielleicht mehr Geld aus, aber ich hab auch keine Verpflichtungen und das ist so erleichternd. Ich muss keine Rezension schreiben, sie muss nicht einmal lang sein und ich muss ein Buch nicht zwangsläufig lesen/beenden. ^^
    Außerdem kann so auch keiner meiner Leser von mir denken, dass ich nur für die Rezensionsexemplare blogge oder meine Rezensionen nur deshalb so positiv sind. Das ist irgendwie auch sehr beruhigend! ;) Und ich kann mich auch viel freier zu solchen Diskussionen äußern, es wäre ja blöd, wenn ich zig REs bekomme, mich aber gleichzeitig darüber aufrege, dass manche nur Abzocker sind etc. Wäre zumindest sehr unglaubwürdig. xD

    Ich frage mich allerdings wie lange ein privater Blog privat bleibt. Wenn ich Blogs sehe, die NUR REs besprechen und davon auch eine Menge bekommen, habe ich irgendwie nicht mehr das Gefühl einen ausschließlich privaten Blog vor mir zu haben. Vom Niveau her meist schon (nicht immer, gibt auch sehr gute Blogs), aber wenn man die Bücher als geldliche Bezahlung sieht, würden manche "gut" verdienen. ^^

    AntwortenLöschen
  8. @ Jai:
    Danke. ;-) Freut mich, dass ich nicht nur "Blabla" produzieren. *zwinker*

    Ich will ja auch nicht allen unterstellen, dass sie sich das nicht trauen oder denen, die ein Buch wirklich gut fanden. Es ist halt oft auch schwer (für den Leser) zu erkennen, ob die Meinung nun unabhängig oder tatsächlich vom Rezensionsexemplar'druck' ausschlaggebend ist. Wenn ich lese, dass die Blogger, das extra angefordert haben, weil sie denken, dass das Buch XY toll wird und es dann tatsächlich eine tolle Bewertung bekommt, krittel ich weniger dran, als wenn ich sehe, dass Blogger AB Reziexemplare zugeschickt bekommt und dann zu allem 'Ja' und 'Amen' sagt.
    Ich will ja auch gar nicht, dass kritischer begutachtet und analysiert und exerziert wird. Wir Blogger machen das, sag ich einfach, aus Spaß und dass da keiner zu 100% perfekt ist, ist ja auch okay!

    Ich sehe das genau wie du: Ich muss mich mit meinen Rezis wohlfühlen. Und das kann ich nur, wenn ich ehrlich bin.

    Trotz des kleinen Romans (*zinker*) war dein Beitrag wirklich sehr interessant! Vielen Dank!


    @ Sandra:
    Du entschuldigst dich? Wow, sehr höflich. Aber ich denke mal, gerade größere Verlage, gehen davon aus, dass sie auch mal negative Kritik bekommen. Aber ich glaube, ganz ehrlich, ich würde das auch so machen, wenn ich direkt mit dem Verlag in Kontakt stehen würde. ;-)
    Ich denke auch, dass gerade große Verlage auch in gewisser Weise testen, wie ein Buch bei der Leserschaft ankommt. Und natürlich, auch wenn es negative Kritik gibt, ist eine veröffentlichte Rezension immer Werbung! Vielleicht auch gerade, wenn ein Buch sehr schlecht bewertet wurde. Weil dann sicher auch einige neugierig sind. Und mit Sicherheit gibt es zu jedem Buch positive und negative Stimmen. ;-)


    @ Sky:
    Das ist ja sehr interessant, dass sich sogar der Verlagschef gemeldet hat! Wow!
    Danke für den Beitrag. ;-)
    Ja, wir sind durchaus in gewisser Weise "Presse". Sehe ich auch so. Trotzdem unterscheide ich doch noch zwischen 'ausgebildeten Journalisten' und Hobby-Bloggern. Bevor ich überhaupt in die Medienbranche eingestiegen bin, hab ich noch nie etwas von Pressekodex, Trennung von Werbung und Redaktion und dergleichen gehört. Aber ich fand's einfach auch mal wichtig, diese Seite hier zu beleuchten.

    AntwortenLöschen
  9. @ Lucina:
    Ich war mit Tippen zu langsam. XD

    So kann man es natürlich auch machen. Und dass man niveauvolle Rezensionen verfasst, sollte ja eigentlich (!) selbstverständlich sein.

    Die Blogger, die gefühlte 10.000 REs bekommen, aber nur einen Bruchteil davon lesen (können), die sind mir auch schon seit einiger Zeit negativ aufgefallen. Hatte ich, glaube ich, aber auch mal in einem Blog-Post angesprochen.
    Ich bin ja prinzipiell nicht dagegen, wenn die Leute REs bekommen. Klar, denk ich mir auch oft: "Mensch, das hätte ich jetzt auch gerne!" Aber im Endeffekt bleibe ich dann doch lieber bei "meiner" Variante: Keine Verlage direkt anschreiben, gelegentlich mal bei den Blogg/Rezensions-Plattformen mitmachen, wenn's einen interessanten Titel gibt, aber sonst frei bleiben.
    Ich finde, das hast du ja schon nebenher angesprochen, dass man mit einem RE (und sei es jetzt 'nur' über BdB, Buchbotschafter, vorablesen etc.) auch unter einem gewissen zeitlichem Druck steht. Denn, normal suche ich mir ja die Bücher, die ich grade lesen möchte nach meiner Laune aus. Aber wenn ich jetzt, wie manche, 4-5 REs in der Woche kriegen würde... Das würde mich, ganz ehrlich, fertig machen. Weil ich erstens weiß, dass ich so viel gar nicht lesen KANN (die meisten anderen, wenn ich so die Rezi-Posts anschaue auch nicht) und zweitens ich dann immer im Kopf hätte, dass ich genau diese REs dann lesen müsste...

    AntwortenLöschen
  10. Ich frage generell keine Bücher an, weil ich mich selbst genug kenne, um zu wissen, dass ich dann genau in dieses Schema "Aber es war ja geschenkt, dafür ist es ja gar nicht so schlimm und eigentlich möchte ich ja auch weiter Bücher haben" falle.
    Das höchste ist wirklich, dass ich mir Bücher zu besonderen Anlässen schenken lasse, aber trotzdem versuche ich diese kritisch zu betrachten.
    Das Analysieren geht mir schon wegen drei Jahren Deutsch LK ab, das hab ich so oft gemacht, das muss nicht mehr sein.
    Wenn ich jedoch eine negative (oder auch eine durchaus positive) Meinung zu einem Buch habe, versuche ich sie auch in einer Rezension auszudrücken und nicht irgendwelche Sache zu übergehen, weil ich das Buch "nur" geschenkt bekommen habe.

    AntwortenLöschen
  11. Dein Posting finde ich sehr interessant und gut durchdacht und du sprichst damit auch viele Dinge an, die mich lange beschäftigt haben und es noch tun. Und ich glaube, dieses Thema beschäftigt jeden Blogger irgendwann mal ;)

    Zum Glück gibt es noch genügend ehrliche Blogger, die sich nicht davon beeinflussen lassen, ob sie gerade ein Rezensionsexemplar bewerten oder ein selbst gekauftes Buch. Für mich ist es da auch immer wichtig keinen Unterschied zu machen, wobei ich mir aber oft denke, dass ich bei Rezensionsexemplaren einen Tick kritischer bin und noch genauer hinsehe.

    Ich kenne ein oder zwei Blogs, da ist jede Bewertung 5/5, dazu ein paar Standardsätze, wie sie überall dazu passen würden - solche Rezensionen mag ich überhaupt nicht, weil sie keine Aussagekraft haben und nicht mal benennen können, warum genau dieses Buch auch wieder eine 5/5 verdient. Das sind dann leider aber auch Blogs, die ich nicht länger verfolge, weil ehrliche Meinung kann das einfach nicht sein - man kann nicht jedes Buch super finden. Jeder hat schon Bücher gelesen, die ihm weniger gut gefallen haben.
    Bei Sabrina (About Happy Books) zB. ist das ja was anderes, weil sie nur Bücher rezensiert, die ihr wirklich gefallen haben, aber andere schränken sich hier nicht ein und die bewerten jedes Buch, das sie lesen mit der höchsten Note. Wenn dann noch Reziexemplare mit ihm Spiel sind kann ich den Blogger leider nicht mehr Ernst nehmen :(

    Aber so muss halt jeder seinen Weg finden, bei den einen geht es schneller und die anderen schaffen die Gratwanderung hoffentlich noch ;)
    liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  12. @ Charles:
    Das ist immer gut, wenn man sich selbst kennt. Ich hätte mehr die Befürchtung, dass ich etwas direkt anfordere und dann hab ich keine Lust mehr es zu lesen. :-/
    Und ja, das mit dem Deutsch LK kann ich auch zu 100% nachvollziehen! Wir haben da auch so viel analysiert und auseinandergefleddert, dass ich gar keine Lust mehr zum Lesen, geschweige denn zum Schreiben hatte. Ich glaub, da bin ich ein sehr gebranntes Kind.
    Ich denke, der springende Punkt ist in beiden Seiten die Begründung. Also, warum man etwas gut oder schlecht fand. Ich finde es ja nicht schlimm, wenn man sagt: "Weil ich das Buch kostenlos bekommen hab, geb ich statt 3, 3,5 Punkte." Was ich damit sagen will ist, dass man ein Buch vielleicht minimal besser beurteilt, als man es würde, wenn man es sich z. B. selber gekauft hat. Vielleicht liegt das bei manchen in der Natur. Was mich aber stört, ist, dass man das Buch dann extrem gut beurteilt, obwohl es eben nur Mittelmaß war. Und das hat nichts mit Analysieren und Auseinandernehmen zu tun.


    @ Melanie:
    Danke. Das Thema beschäftigt mich auch schon eine ganze Weile und jetzt konnte ich es endlich, einigermaßen vernünftig hoffe ich, formulieren.

    Ich bin auch sehr froh, dass es noch viele gibt, die ihre Meinung sagen wie sie ist. Ich kritisiere ja auch nicht die Blogger, die ein RE bekommen und das dann toll finden. Wenn das ihre Meinung ist, dann ist die ja vollkommen legitim. Viele schreiben ja auch, zum Glück, etwas ausführlicher. Sprich, keine ellenlangen Rezis, aber einfach mit einer Begründung. Warum, wieso, weshalb (und ohne Spoiler *g*).

    Ich bezweifle irgendwie, dass gerade diese Blogs auch lange 'überleben'. Man könnte diesen Bloggern ja vielleicht auch unterstellen, dass sie die Bücher gar nicht gelesen haben und sich vielleicht nur aus verschiedenen anderen Rezis was abgucken. Hauptsache man hat ein paar Bücher mehr im Regal stehen. Sieht doch toll aus, oder?
    Wie gesagt, man KÖNNTE.
    Ich kenn auch viele Blogs, die kaum negativ rezensieren. Aber es kommt halt auch immer auf die Umstände an. Manche haben einfach eine gute Nase, überlegen lange, bevor sie bei einem Buch zuschlagen, verlassen sich auf andere Blogger, die einen ähnlichen Geschmack haben (vielleicht). Und klar, die fassen dann wohl eher weniger ins Fettnäpfchen.
    Stimmt. Bei Sabrina habe ich vor ein paar Wochen so einen Post gelesen, dass sie nur Bücher rezensiert, die ihr gefallen und auch eine Begründung dazu. Das ist ja legitim. Jeder darf ja auch seinen Blog so gestalten, wie es ihm gefällt.
    Aber, wenn ich Blogger sehe, die massig (ich meine wirklich massig) REs bekommen, davon nur nach und nach einen Bruchteil rezensieren können, drei Sätze dazu schreiben und/oder das durchweg immer toll finden (ich mein, bei der Masse MUSS doch mal ein schlechtes bei sein), dann finde ich das sehr unglaubwürdig. Da lese ich auch nicht gerne mit, muss ich sagen.

    Derselben Meinung bin ich auch. Immerhin ist bloggen ja ein Hobby. Aber ich finde einfach ganz persönliche Regeln (wie auch immer die aussehen) auch hier wichtig, denn ich stehe ja trotz allem irgendwie in der Öffentlichkeit. Aber vielleicht denke ich da auch nur zu 'altmodisch'. Im 'schlimmsten' Fall schieb ich es auf meine Erziehung. ;-)

    AntwortenLöschen
  13. Sehr interessanter Post! Und eine interessante Herangehensweise an die Thematik. :)

    Ich verwende ungern das Wort "Regeln", habe aber für meinen Blog ein paar Prinzipien, an die ich mich halte. Meine ehrliche Meinung zu schreiben zum Beispiel, unabhängig zu bleiben, mich nicht für irgendwelche Werbe-Aktionen "kaufen" zu lassen, zu bloggen, was mir Spaß macht. Und solange es mir Spaß macht.

    Leider gibt es im Bücherbloggerland ganz viele Blogger, die sich anscheinend noch nie Gedanken darüber gemacht haben, was, wie und warum sie bloggen. Deren einziges Prinzip offenbar ist: "ich mach bei jedem Sch*** mit, und finde jedes Buch gut, Hauptsache ich bekomme noch mehr Gratis-Bücher". Vielleicht sind sie aber auch lediglich nicht besonders kritisch...

    Seine persönlichen Prinzipien zu haben und sich über diese auch im Klaren zu sein, finde ich übrigens nicht im Mindesten "altmodisch", sondern es zeugt von der Fähigkeit zur Selbstreflexion und zu eigenständigem Denken. Sollte eigentlich jeder haben. Aber tja... ;-)

    LG, evi

    AntwortenLöschen
  14. Dankeschön!

    Man kann ja auch Richtlinien oder eigene Vorsätze oder etwas ähnliches sagen. Ich denke, sowas sollte an sich auch ein bisschen flexibel sein. Nicht im Sinne von "Wenn ich gerade meine Laune habe, befolge ich diesen Vorsatz nicht". Sondern im Sinn von "ausweiten" oder "abändern".
    Ich möchte mich ja vielleicht auch verändern oder weiterentwickeln. Deswegen rede ich jetzt auch nicht von starren Prinzipien, die unumwürflich sind.
    Aber ich unterschreibe das vollkommen: Es soll Spaß machen!

    Ich denke nicht, dass man von Anfang an perfekt ist. Wenn man Spaß an der Sache hat, dann entwickelt man sich (wie bei jedem anderen Hobby, denke ich auch). Man holt sich Inspirationen von anderen, sieht dann im Laufe der Blogzeit vielleicht auch, was gut ankommt und was weniger. Ich will damit nicht sagen, dass man nach einer bestimmten Zeit perfekt ist.
    Aber ich sehe es eben auch ähnlich, dass viele einen Blog starten, weil sie dann ganz viele Sachen umsonst bekommen. Und das finde ich schade, denn ich bin mir sicher, dass hinter vielen mehr steckt.

    Danke. ;-) Das beruhigt mich jetzt ein bisschen. Ich hab anfangs sicher auch 'Fehler' gemacht oder Sachen, die ich heute nicht mehr so machen würde. Aber ich versuche trotzdem meinen eigenen Stil beizubehalten. Da kommt dann wieder die Spaß-Sache ins Spiel. ;-)
    Wenn ich mich in meinem Studiengang so umschaue, glaube ich, dass das auch einfach eine Sache von Zeit, Reife und Entwicklung ist. Zu erkennen und auch zu akzeptieren, was mann kann und nicht, was man falsch gemacht hat und was gut.

    AntwortenLöschen
  15. Ich kann mich meinen Vorredner(innen) nur anschließen, ein wirklich interessanter Post! Die Objektiv-ja-nein-RE-Frage ist ja nichts Neues, aber deine Blickwinkel waren es für mich teilweise. Von der "Werbe"-Seite aus habe ich das bisher noch gar nicht betrachtet und dein Vergleich mit z.B. verschiedenen Zeitschriften ist nicht von der Hand zu weisen. Aber ich sehe das wie du: es sollte definitiv bei freier Meinungsäußerung bleiben! Denn (wie sich auch aus den Kommis hier herauslesen lässt) das ist und bleibt doch die beste Werbung, oder? Mag ja sein, dass ich mir dann das ein oder andere Buch nicht kaufe, das du (oder jemand) vergleichweise schlecht bewertet hast. Aber umso wichtiger und ernster nehme ich dann auch deine (oder jemandes) positive Bewertungen und umso schneller wandern diese Bücher auf meiner Wunschliste ganz weit nach oben :D Bücher mit "Das Buch ist ja sooo toll!!! Warum? Öhm, also, ist es halt!"-Kommentaren (Ich weigere mich, das Rezension zu nennen ;-) ) sicher nicht. Und man merkt es den Rezensionen ja Gott sei Dank meistens an, ob da echte Begeisterung dahintersteckt. Deshalb sollten auch die Verlage an solchen ehrlichen Bloggern interessiert sein. Und falls das mal nicht der Fall ist (ich kenne mich da überhaupt nicht aus, ich halte meinen Blog RE-frei) sollte man auch das Rückgrat haben, um seine eigene Authenzität und Glaubwürdigkeit über potentielle Freiexemplare zu stellen.

    Auf alle Fälle vielen Dank für den informativen Beitrag :-)

    AntwortenLöschen
  16. Danke! ;-)

    Ich muss zugeben, dass wir das mit den Zeitschriften jetzt auch oft in den Vorlesungen gehört haben. Ich glaube, "Laien" ist das oft gar nicht bewusst, dass solche Beiträge (Bericht über neues Auto-Modell von Autohersteller XY etc) mehr gekauft als wirklich journalistisch sind.

    Ich bin auch der Meinung, dass 'ehrliche' Rezensionen wesentlich besser sind als 'gekaufte'. Vielleicht kann man da ja mal direkt bei einem Verlag nachrecherchieren. Würde mich ja schon mal interessieren... Ich setz das mal auf meine "Vielleicht-noch-Bloggen-Konzept"-Liste. ;-)
    Wie die Verlage das sehen, weiß ich nicht. Ich meine zwar mal gelesen zu haben, dass sich eine Pressesprecher/in so geäußert hat, dass sie auch ehrliche Kritik vorziehen, aber da bin ich mir nicht sicher. Vielleicht interview ich da echt mal einen Verlagsmitarbeiter. ;-)

    Gern geschehen!

    Ich muss mich auch bei allen bedanken, die diesen langen Post (und natürlich auch die Kommentare) gelesen haben! Ich hätte niemals gedacht, dass ich da solch konstruktives und ausführliches Feedback bekomme! Danke also an alle Leser und Kommentierer!

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Lasst euren Fingern einfach freien Lauf und schreibt, was euch zum Beitrag einfällt. ;-)
Ich versuche stets auf jeden Kommentar zu antworten.