Freitag, 25. November 2011

[Rezension] Totentöchter - Die dritte Generation von Lauren DeStefano

1. Band


Inhalt:
Rhine ist sechzehn Jahre alt – und wird in vier Jahren sterben. Ein missratenes Genexperiment hat katastrophale Folgen für die Menschheit: Frauen leben nur bis zum zwanzigsten, Männer bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr. In dieser Welt ist nicht ungewöhnlich, was Rhine passiert: Sie wird entführt und mit dem reichen »Hauswalter« Linden in eine polygame Ehe gezwungen, um möglichst schnell Nachkommen zu zeugen. Rhine präsentiert sich eine glitzernde Welt voller Luxus und Reichtum – eine Welt ohne Freiheit. Gemeinsam mit dem Diener Gabriel plant Rhine ihre Flucht, bevor es zu spät ist…

[Quelle: randomhouse.de]



Die sechzehnjährige Rhine lebt mit ihrem Bruder in Manhattan. Ihre Eltern starben vor Jahren bei einem Anschlag auf ein Labor. Rhine lebt in einer Welt, die dem Ende geweiht ist. Durch ein verpfuschtes Genexperiment hat sich die Lebensdauer der Menschen drastisch verkürzt. Mädchen werden gerade mal 20, Jungs 25.
So haben sich Gruppen von sogenannten Sammlern gebildet, die Mädchen von den Straßen und Häusern weg'klauen' und sie an reiche Herren als Ehefrauen verkaufen. Das passiert auch Rhine, denn sie hat etwas ganz besonderes an sich. So muss Rhine weit weg von ihrer Heimat und ihrem Bruder einen jungen Mann, Linden, heiraten, den sie weder kennt noch liebt und ihre verbleibenden Jahre als Gefangene in Lindens Villa verbringen. Doch Rhine will und kann ihr Schicksal nicht akzeptieren.

Der erste Band der The Last Chemical Garden / Totentöchter Reihe.
Zuerst einmal zum Äußeren. Das Cover finde ich wirklich sehr schön - und vor allem toll, dass das Originalcover (weitgehend) übernommen wurde! Der Einband ist in einem dunklen Lila, im beinahe krassen Gegensatz dazu ist das Vorsatzpapier. Denn das ist pastellgelb, mit einem Stich ins orangefarbene. Ich hätte nicht gedacht, dass die Farben doch so gut zusammen passen. Auch bei der Kapitelgestaltung und auch den Seitenzahlen hat sich der Verlag nicht lumpen lassen. Das seht ihr unten noch einmal deutlicher. Vor allem die Grafiken, die sich um die Seitenzahlen schmiegen finde ich sehr schön und hab ich so, glaube ich, auch noch nicht gesehen.
Hauptsächlich habe ich zum Buch begeisterte Stimmen gehört. Als es dann aber auf Deutsch erschien, kamen auch ein paar negative. War es doch ein Fehlkauf? Nein! Keineswegs. Rhines Geschichte hat mich dermaßen gefesselt und mitgenommen, dass ich richtig traurig war, als ich die letzte Seite gelesen habe.
Lauren DeStefanos Schreibstil ist so leicht zu lesen, dass ich ebenso leicht und schnell auch in die Geschichte einsteigen konnte. Sie hat, für mich, die perfekte Mischung aus Metaphern, bildlicher Schreibweise und direkter Beschreibung gefunden. Da die Geschichte Rhine selbst, also Ich-Perspektive im Präsens, erzählt, konnte man gut eintauchen. Was wohl auch noch ein Pluspunkt ist: Es geht direkt los! Man wird direkt vom ersten Satz an in Rhines Leben hineinkatapultiert ohne lange Vorreden oder Kennenlernen der Welt. Zugegeben, die Regeln der Welt sind nicht zu kompliziert und werden auch stückchenweise dargeboten, sodass man auch da sehr gut mitkommt.
Rhine weiß von Beginn an wogegen sie rebelliert, wogegen sie sich schützen muss. Sie geht nicht blind oder mit Scheuklappen durch ihre Welt und merkt "plötzlich", dass etwas nicht stimmt. Rhine ist selten impulsiv und handelt daher überlegter und in gewisser Weise auch reifer. Allerdings ist die Szenere, im Vergleich zu anderen Romanen des Genres, eine etwas andere. Denn nicht die Gesellschaft oder ein paar Wenige stellen hier Schranken und Gesetze auf, die die Menschen und Protagonisten einschränken, sondern im weitesten Sinne tut das die Umwelt. Keiner kann in Rhines Welt gegen diese "Ungerechtigkeit" rebellieren - im herkömmlichen Sinn, da sie gegen ein Virus nichts ausrichten können. Hinzu kommt, dass es Rhines Generation, durch die drastisch verkürzte Lebensdauer, an Bildung und Wissen fehlt. Das verdammt die Menschheit dazu früher oder später auszusterben.
Auch Gabriel, ein Diener in Lindens Villa, ist sehr vorsichtig. Ihn bekommt man im Vergleich realtiv wenig zu lesen. Deswegen kann ich gar nicht viel über ihn sagen, außer, dass ich ihn von Anfang an sympathisch fand. Linden, der Hauswalter und Rhines Ehemann, kann einem dagegen schon beinahe Leidtun. Auch ihn mochte ich irgendwie. Er ist auf eine andere Art ein Gefangener, auch wenn er reich ist und im Prinzip auch frei (sprich sich frei bewegen kann). Sein Vater Vaughn hingegen ist undurchsichtig. Er wird als unsympathisch und vielleicht auch gefährlich beschrieben, bleibt aber bis etwa zur Hälfte relativ blass. Doch er ist, mit einem Wort: ekelhaft. In der zweiten Hälfte nimmt er immer weiter Gestalt an, auch wenn er vergleichsweise selten direkt auftaucht.
Die Charaktere, alle zusammen, wachsen mehr und mehr ans Herz. Auch die, die Rhine eher weniger mag, wie die anstrengende Cecily oder der ahnungslose Hausverwalter Linden.
Das Ende schreit nach einer Fortsetzung, aber ich würde es nicht unbedingt als Cliffhanger bezeichnen. Eher als Etappe in Rhines Leben.

Kurz: Ein wunder-, wunderschönes Buch mit einer starken Heldin, tollen Charakteren und starken Gegenspielern. Auf jeden Fall lesenswert!




Weitere Informationen:
Verlag: cbt
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 400
Originaltitel: Wither
Reihe: The Last Chemical Garden / Totentöchter
ISBN: 978-3-570-16128-9
Preis: [D] 16,99 €

Zitat von Rhine:
"Das Schicksal, denke ich, ist ein Dieb." - Seite 58

Kommentare:

  1. Ich kann dir nur zustimmen, mich hat das Buch auch total begeistert!

    Liebe Grüße,
    Sarah

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  2. Ich hatte mich tatsächlich schon drauf eingestellt, dass es nicht so toll wird. ;-) Und wurde zum Glück eines besseren belehrt. :D

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