Donnerstag, 22. September 2011

[Rezension] Das Parfum von Patrick Süskind



Inhalt:
Von Jean-Baptiste Grenouille, dem finsteren Helden, sei nur verraten, daß er 1738 in Paris, in einer stinkigen Fischbude, geboren wird. Die Ammen, denen das Kerlchen an die Brust gelegt wird, halten es nur ein paar Tage mit ihm aus: Er sei zu gierig, außerdem vom Teufel besessen, wofür es untrügliche Indizien gebe: den fehlenden Duft, den unverwechselbaren Geruch, den Säuglinge auszuströmen pflegen.

[Quelle: diogenes.ch]



Jean-Baptiste Grenouille wird 1738 in Paris geboren - ungewollt. Doch schon als Säugling nimmt er, sozusagen, sein Leben selbst in die Hand. Mit einem Schrei macht er, in Fischgedärmen liegend und wo ihn seine Mutter zum Sterben zurück gelassen hat, auf sich aufmerksam. Fortan lebt Grenouille als Sonderling, als seltsames Kind. Die Amme fürchtet ihn fast, den Kindern im Waisenhaus kommt er suspekt vor und auch alle anderen Menschen, mit denen Grenouille zu tun hat, fühlen sich ihm gegenüber nicht wohl.
Doch Grenouille hat eine ganz besondere Gabe: Er hat einen hervorragenden Geruchssinn. Und er ist resitent wie ein Zeck.

In Das Parfum erzählt Patrick Süskind als Allwissender Erzähler die Lebensgeschichte des "Zecks" Jean-Baptiste Grenouille.
Das erste Mal habe ich das Buch in der Schule, als Schullektüre, gelesen, bzw. lesen müssen. Aber schon damals hat mich die Geschichte fasziniert. Als dann ein paar Jahre später der Film in die Kinos kam, war ich auch von diesem begeistert und nahm mir vor das Buch nochmal zu lesen. Das hat bis jetzt gedauert - peinlicherweise.
Süskinds Erzählstil ist nicht ganz einfach. Die Sätze sind teilweise ellenlang und ab und an musste ich sie oder ganze Abschnitte noch einmal lesen. Nichtsdestotrotz erschafft der Autor eine ganz besondere Welt. Auch die Beschreibung der Gerüche (denn daraus besteht ja nun Grenouilles Welt) finde ich sehr interessant.
Ich will jetzt auch gar nicht zu sehr ins Analysieren gehen, wie wir das damals in der Schule getan haben. Ich erinnere mich da noch an ein paar Punkte, die wir besprochen haben, aber natürlich nicht mehr an alles. Nebenher hatte ich auch teilweise noch die Stimme des wunderbaren Gert Westphal im Ohr. Ich hatte vor Längerem das Hörbuch dazu, mit seiner Stimme gehört. Die Betonung ist einfach genial und das hat mir das Lesen stellenweise etwas erleichtert.
Grenouille als Charakter ist... höchstinteressant und höchstsuspekt. Ich wollte ja beinahe schreiben, dass ich ihn schon mochte, den kleinen Mann mit dem Klumpfuß und den Narben. Aber das stimmt wohl nicht so ganz. Grenouille ist einfach so ganz anders als alle Charaktere, die ich bisher kennen gelernt habe. Ich würde ihn nicht als grundböse bezeichnen. Aber der Gute ist er natürlich auch nicht. Er ist auch keine verwirrte, verwahrloste Seele. Er lebt. Er riecht. Er entwickelt sich. Ich konnte nicht direkt mit ihm Mitfühlen und manche seiner Entscheidungen bleiben mir rätselhaft. Trotzdem hat er mich in gewisser Weise fasziniert.
Die anderen Charaktere sind auch, sicherlich, gut ausgearbeitet. Aber sie waren für mich nur halb so interessant wie der "Zeck", wie er im Buch oftmals genannt wird.
Schon auf die Idee ein Buch rund um Gerüche zu schreiben ist schon sehr... eigen. Aber dieses Thema, auch das Handwerk des Parfumeurs und was dazu gehört, wird interessant beschrieben, auch wenn ich nicht unbedingt alles bildlich nachvollziehen konnte. Das Ende wird dann doch etwas sehr abstrakt. Ich kann mir auch immer noch nicht vorstellen, dass Düfte uns Menschen so extrem beeinflussen - und das wir dies laut Buch nicht mal bemerken.

Kurz: Nicht nur für die Schule geeignet. Spannendes, immer noch 'neues' Thema mit einem ganz eigenen Hauptcharakter. Man sollte sich nicht durch den Schreibstil abschrecken lassen, denn an den gewöhnt man sich schnell und kann so dem windigen Leben des Jean-Baptiste Grenouille genau verfolgen.



Weitere Informationen:
Verlag: Diogenes
Taschenbuch
Seiten: 336
ISBN: 978-3-257-22800-7
Preis: [D] 9,90 €

Kommentare:

  1. Ich muss es lesen und darüber eine Hausarbeit schreiben...

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  2. Wenn man ein Buch lesen "muss", bringt das oft wenig Spaß. Jedenfalls meiner Erfahrung nach. :-/ Aber es gibt ja unheimlich viel zu interpretieren und auch viele Lektürenhilfen (hab ich gesehen).
    Viel Erfolg! ;-)

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  3. Ich finde das Buch um längen besser als den den Film, wobei die Schlußszene schon ziemlich inspirierend ist.

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  4. Ich mag beides - aber eben für sich. Das Buch geht natürlich viel tiefer und man kann sich fast besser einfinden - gerade was Grenouille betrifft.
    Allerdings mag ich den Film nach wie vor, denn er wurde im Gegensatz zu vielen anderen, recht gut (mMn) umgesetzt.

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