Montag, 11. Juli 2011

[Rezension] Der Kuss der Jägerin von Tessa Dare

1. Band
Inhalt:
Lucy Waltham ist fest entschlossen, nur aus Liebe zu heiraten, und sie hat auch schon einen geeigneten Kandidaten im Visier. Leider fehlt es ihr an praktischer Erfahrung. Kurzerhand beschließt Lucy, ihre Verführungskünste zuvor an Jeremy Trescott auszuprobieren, dem besten Freund ihres Bruders. Ihre Übungsküsse entfachen ein unerwartetes Feuer in dem sonst so verschlossenen Jeremy, doch kann er das Herz der vorwitzigen jungen Lucy für sich gewinnen?

[Quelle: randomhouse.de]



Lucinda "Lucy" Waltham wuchs relativ behütet auf. Ihr Bruder Henry ist ihr Vormund, da ihre Eltern früh verstarben. Henry lässt seiner Schwester eine recht freie und vielleicht auch nicht ganz standesgemäße Erziehung angedeihen. Die Familie ist zwar gut gestellt, verfügt aber nicht über große finanzielle Mittel, sodass Lucy auf keine Mitgift hoffen kann.
Jeden Herbst kommen Henrys Freunde, Jeremy Trescott, Toby Aldrige und Felix Crowley-Cumberbatch, um in den Wäldern von Waltham Manor zu jagen. Seit jeher begleitet Lucy die Freunde auf ihren "Abenteuern", geht mit Ihnen Angeln, jagen und wird von Ihnen als Kumpel und kleine Wildfang-Schwester angesehen.
Doch Lucy hat sich inzwischen zu einer jungen Frau entwickelt, die es sich in den Kopf gesetzt hat ihren Schwarm Toby aus Liebe zu heiraten. Dumm nur, dass ihr die engelsgleiche Sophia Hathaway in die Quere kommt und Toby nur Augen für sie hat. Lucy ersinnt sich also einen Plan: Toby mit Hilfe ihres Körpers zu verführen. Doch erst einmal muss Lucy üben - an Jeremy Trescott.

Der erste Band der Wanton Dairymaid Trilogie.
Das Cover ist schon sehr kitschig, typischer (historischer) Liebesroman möchte man meinen. Die Betonung liegt auf den letzten drei Worten. Ich hatte mit vielem gerechnet. Kitsch, eine etwas älter anmutende Sprache und vor allem einen blumigen, ausschmückenden Schreibstil.
Letzteren behält die Autorin glücklicherweise nur ein paar Seiten bei. Zumindest ist er mir nur da wirklich aufgefallen. Doch dann lockert sich die Sprache, wirkt zwar nicht ganz modern, aber auch nicht zu alt. Der Roman lässt sich wunderbar flüssig lesen. Was für mich aber auch an der Kapitellänge liegt. Die ist genau angenehm. Immer etwa zwischen zehn und zwanzig Seiten. Nach jedem Kapitel wollte ich auch gleich weiterlesen, denn ein Kapitel brach oft genau an der interessantesten Stelle ab.
Die Charaktere sind sehr liebenswert, auch wenn man ihnen eine etwas altertümliche Sichtweise ankreiden könnte. Aber da der Roman ja (nehme ich an) irgendwann im 19. Jahrhundert spielt, ist das vollkommen in Ordnung. Besonders faszinierend fand ich Lucy. Denn sie ist keine Dame, wie man sie sich vielleicht von damals vorstellen mag. Sondern ein Wildfang sondergleichen, die durchaus ihren Kopf durchsetzen kann, spontan ist, aber durchaus auch Verstand hat. Durch sie kann der Leser nicht nur einige erotische Szenen genießen, sondern auch zahlreiche, die zum Schmunzeln und Lachen einladen. Während Jeremy immer als Eisblock und distanziert beschrieben wird, ist Lucy das genaue Gegenteil. Allerdings empfand ich Jeremy nicht als so distanziert und kalt.
Denn es wird nicht nur aus Lucys Sichtweise (dritte Person) erzählt, sondern auch aus Jeremys (ebenfalls dritte Person). So kann man sich gut in die Charaktere einfühlen und viele ihrer Beweggründe nachvollziehen. Das kleine Manko daran ist aber auch, dass man als Leser genau weiß, was in beiden vorgeht und die typische Situation eines Liebesromans einhergeht: Das Paar macht einen Schritt aufeinander zu und zwei voneinander weg. Statt sich zu erklären, handeln sie. Aber irgendwie macht es auch Spaß den beiden, etwas unbeholfenen, Liebenden bei ihrem Balztanz zu erleben.
Wer hier eine ganz neue Liebesgeschichte finden möchte, der ist wohl an der falschen Stelle. Aus meiner Sicht machen das aber die Charaktere und Lucys herrliche erfrischende, beinahe bockige und freiheitsliebende Art wieder wett. Ich jedenfalls musste mich zwingen das Buch aus der Hand zu legen.
Übrigens, Der Kuss der Jägerin ist in sich abgeschlossen. Der nächste Band beschäftigt sich mit der hiesigen Nebenfigur Sophia Hathaway, Band drei wird sich um Toby Aldrige drehen.

Kurz: Ein erfrischend unblumiger, historischer Roman mit einer wilden Lucy und einem verführten Jeremy.




Weitere Informationen:
Verlag: blanvalet
Taschenbuch
Seiten: 416
Originaltitel: Goddess of the Hunt (01)
Reihe: The Wanton Dairymaid (Trilogy)
ISBN: 978-3-442-37611-7
Preis: [D] 7,00 €

Kommentare:

  1. Hach, das klingt wirklich sehr gut. Ich glaube jetzt muss ich mir "Goddess of Hunt" doch holen. ^^

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  2. Mach das. :D Ich hoffe, ich empfehle da jetzt nichts falsches. Man muss auch schon eine Affinität zu "Ich liebe ihn, ich liebe sie, aber wir können/dürfen doch nicht" (so grob) haben.
    Aber ich finde die Charaktere machen das im Großen und Ganzen wieder wett. ;-)
    Ich bin, ehrlich gesagt, auch nicht mit allzu großen Erwartungen an das Buch rangegangen. Ob's daran mit lag?

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  3. Ich fand das Buch nett (9/15), aber die zweite Hälfte hat mich ganz schön genervt. Mir war das mal wieder deutlich zu viel hin und hier, aber ich mag halt einfach auch keine Plots, die auf Missverständnissen beruhen, die man ganz easy durch ein Gespräch aus der Welt räumen könnte.

    Ich wollte aber eigentlich trotzdem Band 2 lesen, weil ich die Ereignisse um Sophia echt spannend fand!

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  4. Für mich war's der erste Historical seit ich ca. 2007 "Die wanderhure" gelesen habe. An sich mag ich das Setting. Wie gesagt, hatte ich nicht erwartet und wurde einfach positiv überrascht.
    Dieses Hin und Her ist auch nicht jedermanns Sache. Wie oft wollte ich Lucy und Jeremy schütteln? Aber ich mochte beide einfach unheimlich gerne, deswegen konnte ich gut drüber hinwegsehen. ;-)

    Oh ja! Anfangs dachte ich ja, Sophia wäre so ne typische feine Dame, aber die Liebe ist ja wirklich witzig. Den zweiten Band möchte ich mir auch noch bald zulegen. ;-)

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