Montag, 2. April 2012

[Rezension] Memento - Die Überlebenden von Julianna Baggott

1. Band

Inhalt:
Eine amerikanische Stadt, neun Jahre, nachdem die Bomben fielen. Majestätisch thront die Kuppel des Kapitols über den Trümmern – in ihr leben die Reinen, die Makellosen. Sie wurden auserwählt, eine neue, bessere Menschheit zu begründen. Unten in der Stadt kämpfen alle Übrigen ums Überleben. 
Auch die 16-jährige Pressia hat es schwer, sich und ihren Großvater durchzubringen. Und dann soll sie auch noch eingezogen werden, um für das grausame Militärregime zu arbeiten, das Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet. Als sie den Verschwörungstheoretiker Bradwell kennenlernt, scheint das zunächst ihre Rettung zu sein. Er kennt den Untergrund und hilft ihr, unterzutauchen. Doch dann wird sie erwischt ...

[Quelle: luebbe.de]



>>Leseprobe<<



Die Geschichte beginnt neun Jahre nachdem Bomben eine ganz Stadt vernichtet haben. Oder doch nicht ganz. Es gibt Überlebende, die Unglückseligen. Sie sind mit Gegenständen oder sogar mit Tieren und der Erde verschmolzen - manche mehr, manche weniger. Das Leben außerhalb des Kapitols, das unter einer Kuppel die "Reinen" (also ausgewählte, unmutierte Menschen) beherbergt, ist hart, sehr hart.
Und hier wächst Pressia mit ihrem Großvater auf. Nicht nur, dass das Mädchen ums buchstäbliche Überleben kämpft, denn es gibt genug Gefahren, deren sie sich stellen muss. Nein, mit 16 werden alle Mädchen und Jungen von der OSR eingefangen und man sieht sie nie wieder. Diesem Schicksal will Pressia undbedingt entrinnen und stolpert in ein noch viel größeres Abenteuer...

Der erste Band der Memento Reihe.
Zuerst ein paar Worte zur Aufmachung. Das Cover wurde vom Original übernommen. Es gibt eine Lesebändchen, das genau im selben Blauton ist wie der Schmetterling auf dem Cover (ich liebe Lesebändchen!). Auch das Vorsatzpapier passt perfekt zur übrigen Optik: Es ist in einem Braun mit einem Wasser- oder Rauchmuster und wenn man genau hinsieht, entdeckt man auch den Schmetterling vom Cover, der ebenfalls im selben Farbton gehalten wird.
Was mich gleich zu Anfang etwas irritiert hat: Es gibt eine Widmung im Buch, aber keine Danksagung. Nicht, dass ich besonderen Wert auf eine Danksagung legen würde, aber ich hatte schon lange kein Buch mehr, in dem keine war. Das nächste, was mich verwirrte, war die gefühlt recht kleine Schrift. Ich gewöhnte mich zwar recht schnell daran, aber die ersten paar Seiten kam sie mir ungewohnt klein vor. Einbildung? Ich glaube ja.
Die Geschichte in einer nicht allzufernen Zukunft wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei immer eine Dritte Person im Präsens erzählt. Hauptsächlich wird aus Pressias und Partridges Sicht erzählt. Aber es gibt auch Einblicke von Lyda und El Capitán.
Der Erzählstil ist zugegeben ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Teilweise muten die Sätze abgehackt an oder es werden nur Satzfragmente (pointiert) eingesetzt. Ich fand das sehr ungewöhnlich, aber ich persönlich mag es. Durch die Erzählperspektive wirkt es zu großen Teilen so als würde ein guter Bekannter oder Historiker/Dokumentar dem Leser die Geschichte erzählen. So wirken die Szenen auch oft etwas distanziert. Am Anfang war es für mich etwas schwer ganz in die Geschichte hineinzukommen. Aber je weiter ich las, je tiefer ich in der Geschichte um Pressia und die anderen drin steckte, desto interessanter und spannender wurde es.
Die Namen sind im gesamten Buch ziemlich ungewöhnlich. Ich denke, dass es zum einen ein bisschen zur Distanziertheit beiträgt, weil man vielleicht keine rechte Vorstellung von der Person bekommt. Andererseits muten sie aber auch futuristisch an und man kann sich vielleicht besser in eine zukünftige Zeit hineinversetzen.
Der Plot an sich ist sehr interessant. So wird die Geschichte doch kurz nach einer Katastrophe geschildert, die die (fiktive) Welt verändert hat. Das bietet natürlich unglaubliches Potential, weil man miterleben kann, warum die Welt so geworden ist, weil es noch Erinnerungen an das "Davor" gibt. Ich denke, es wäre noch eindringlicher, wenn Baggott die Ich-Perspektive gewählt hätte. Vor allem eben zu Beginn. Später konnte ich dann schon mit Pressia und Partridge mitfühlen und mitdenken, obwohl es beinahe über die Hälfte des Buches gedauert hat bis es soweit war.
Der Leser wird relativ langsam in die Welt eingeführt. Schließlich muss man sich erst einmal zurecht finden, verstehen, was es mit dem Kapitol auf sich hat, was die OSR ist und die Gefüge in Pressias Welt außerhalb der Kuppel zu verstehen. So wird auch Stück für Stück klar, dass mehr hinter allem steckt. Es gibt wahnsinnig viele Andeutungen und gleichzeitig nichts wirklich Konkretes. Was manche Stellen ein bisschen in die Länge zieht. Gleichzeitig wird in meinen Augen aber ein offensichtliches Geheimnis/Rätsel gelüftet. Auch hier zieht es sich dann etwas, weil die Charaktere diese "Wahrheit" nicht wahr haben wollen. Im Nachhinein finde ich es aber gut, weil keiner solche Neuigkeiten, die die eigene Welt mal eben um 180° dreht und auf den Kopf stellt als 'gegeben' hin. Es ist auch nichts, was die betreffenden Figuren so plötzlich trifft, denn sie spüren, dass etwas nicht stimmt.
Zum Schluss überschlagen sich dann die Ereignisse noch einmal, es werden noch mehr Andeutungen aufgedröselt, aber nicht alle Unklarheiten werden beseitigt. So stellt das Ende eher einen Anfang von noch mehr da. Logisch, da es ja eine Reihe wird. Es ist in dem Sinne kein Cliffhanger, aber bietet Raum für mehr.

Kurz: Eine düstere Zukunftsvision mit einem gewöhnungsbedürftigen, ein bisschen distanziertem Erzählstil. Die Charaktere nehmen nur langsam Form an, sind aber alles in allem sympathisch. Die Geschichte nimmt spätestens ab der Hälfte einen spannenden Verlauf an und bleibt bis zum Schluss auf diesem Niveau.



Weitere Informationen:
Verlag: Baumhaus / Bastei Lübbe
Übersetzer: Axel Merz
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 461
Originaltitel: Pure
Reihe: Pure / Memento
ISBN: 978-3833901133
Preis: [D] 16,99 € - Memento bei Lübbe kaufen


Danke an Blogg dein Buch und Baumhaus / Lübbe für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Mir hat Memento auch richtig gut gefallen und ich bin froh, dass mich die Mehrheit der eher nagativen Rezensionen nicht abgeschreckt hat. Ich hab auch schon darüber nachgedacht, ob es Sinn gemacht hätte zumindest einen Teil in der 1. Person erzählen zu lassen. Aber ich glaube das hätte sich dann ein wenig wie Stilbruch abgefühlt^^ Mir kam übrigens die Schrift auch relativ klein vor, vor allem im Vergleich zu anderen Jugendbüchern.

    Liebe Grüße!

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  2. Es ist bestimmt nicht eines der besten Bücher, die ich gelesen habe. Aber mich hat vor allem auch die Idee beeindruckt. Es gibt auch hier ja wieder so Puzzleteilchen, die sich nur langsam und ein bisschen verworren zusammen setzen.
    Ich hätte, wenn, dann wohl alles 1. Person gemacht (mal von Pro- und Epilog abgesehen). Aber es hat sich ja im Laufe der Geschichte echt gebessert.
    Ich war mir gar nicht bewusst, dass es so viele negative Stimmen gibt. o_O Irgendwie hab ich das verdrängt... XD
    Ah, dann habich mir das mit der Schriftgröße doch nicht eingebildet! Ich hab ja davor Virtuosity gelesen und da war sie auch ein bisschen größer (gefühlt). Deswegen dachte ich, mir käm's nur so vor...

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  3. Vielen Dank für die Rezi! Ich bin wirklich überrascht, wie viele tendenziell negative Rezis es zur deutschen Ausgabe gibt. Von der englischen wurde mir irgendwie von allen Seiten vorgeschwärmt :D
    Ich werde aber auch die deutsche Ausgabe lesen und bin seeehr gespannt. Dritte Person Präsens ist eigentlich auch nicht meins :/ Aber mal sehen, wie es mir gefällt. Neugierig gemacht hast du mich auf alle Fälle, wenn dich die Idee so beeindruckt hat. Das wird bestimmt einer meiner nächsten Buchkäufe ^^

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  4. Also, ich war anfangs auch etwas zwiegespalten. Aber das bin ich oft, wenn ich "neue" Bücher lese und der Schreib- und Erzählstil etwas anders ist.
    Ich fand halt schade, dass man (oder besser gesagt ich) nicht ganz so mit den Protagonisten mitfiebern konnte, weil eben die Erzählperspektive so distanziert war. Vielleicht muss man aber auch nur ein ganzes Stück dran bleiben und sich "richtig einlesen".
    Die Idee an sich finde ich eben echt beeindruckend und auch was dahinter steckt.
    Wie immer gilt: Selbst ein Bild machen. :D

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  5. Also, ich finde, dass das Buch gelungen ist. Ich finde es an manchen Stellen nur sehr brutal und auch distanziert. Ich finde auch einige Kreaturen, zum Beispiel Dusts oder ähnliche schwer vorzustellen!
    Alles in allem würde ich das Buch schon empfehlen.

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  6. Ich finde auch, dass sich gerade bei solchen Büchern jeder eine eigene Meinung machen sollte. An sich kann man ja das immer schon mal gut einschätzen, wenn man die Leseprobe gelesen hat. Da sieht man, ob einem der Stil gefällt etc.
    Mir hat's auch gut gefallen, aber ich weiß, dass es nicht jedermanns Sache sein wird. Eben weil es ein bisschen anders ist.

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