Samstag, 3. März 2012

[Rezension] Während ich schlief von Anna Sheehan

1. Band

Inhalt:
Rose Fitzroys Welt scheint perfekt: Als einzige Tochter steinreicher Eltern genießt sie alle Privilegien und ist zudem noch frisch verliebt. Doch dann versetzen ihre Eltern sie in einen künstlichen Schlaf – und niemand weckt sie auf. Bis ein fremder Junge sie 62 Jahre später zurück ins Leben holt. Rose muss feststellen, dass nichts in ihrer Welt mehr so ist, wie es war: Ihre Eltern sind verschwunden, ihr Liebster unauffindbar, und an ihre Fersen heftet sich ein seltsames Wesen, das ihr offensichtlich Böses will ...

[Quelle: randomhouse.de]


>>Leseprobe<<



Irgendwann in der Zukunft. Der junge Brendan findet im Keller eine alte Stase-Röhre. Dort drin befindet sich ein Mädchen. Aber nicht irgendeines. Es handelt sich um Rose Fitzroy, die verschwundene Tochter des Multikonzern-Chefs von UniCorp Mark Fitzroy.
Rose hat 62 Jahre in der Röhre, in künstlichem Schlaf zugebracht und nichts ist mehr wie es einmal war. Ihre Eltern sind tot, alle Freunde gestorben und Rose muss sich nun, mit ihren 16 Jahren, an ganz neue Lebensumstände anpassen.
Die Medien und die Öffentlichkeit stürzen sich förmlich auf das junge Mädchen und das ruft etwas Bedrohliches auf den Plan, dessen sich Rose und ihre Umgebung gar nicht bewusst sind...

Der erste Band einer Reihe. Wobei die Weiterführung bisher noch nicht betitelt wurde.
Anna Sheehan beschreibt hier eine sehr, sehr, sehr moderne Dornröschen-Adaption. Okay, im Prinzip ist nur der lange Schlaf, die Prinzessin und der "Kuss" identisch. Nichtsdestotrotz ist Während ich schlief ein so wunderbares, futuristisches Märchen. Der Schreibstil ist flüssig, leicht zu lesen und zieht einen vom ersten Wort, den ersten Sätzen direkt in die Geschichte.
Die Story beginnt ohne viel Vorplätschern. Es wird erst mal nicht groß erklärt, was genau passiert, bzw. passiert ist, sondern der Leser beginnt mit Rose an dem Punkt ihres 'Erweckens'. Das ist gut, denn als Leser ist man ähnlich orientierungslos in dieser Zeit wie Rose. So lernt man mit ihr diese Zeit, die Gepflogenheiten, die (neumodischen) Ausdrücke und den Aufbau kennen. Nicht in einer großen Protion, sondern löffelweise. Was ich als sehr gut empfand, denn so setzt sich das Wissen, geht irgendwie tiefer und wird auch - ein bisschen - verständlicher.
Nach den ersten Seiten und dem Klappentext, hatte ich eine Ahnung, wie Während ich schlief werden könnte. Kaum etwas davon bestätigte sich. Angefangen hat es beispielsweise mit Rose. Ich hatte so ein Bild einer verwöhnten, hochnäsigen Prinzessin im Kopf. Vielleicht auch ein sehr gefestigter und starker Charakter. Ein Mädchen voller Emotionen. Doch Rose ist beinahe das komplette Gegenteil. Anfangs konnte ich sie nicht recht einschätzen. Sie wirkt (nicht nur durch den langen Schlaf) sehr zerbrechlich, in sich gekehrt und eher empfindlich. Auch ihr Auftreten ist nicht harsch oder aufbrausend, sondern bedacht und ruhig. Rose hat alles verloren und natürlich ist sie traurig, entsetzt und fassungslos. Aber all das spielt sich mehr in ihrem Innern ab und weniger "außen".
Rose ist einfach ein wahnsinnig toller Charakter, der sich vom zerbrechlichen Samen zur biegsamen Knospe bis hin zur aufblühenden Rose entwickelt, die eben nicht nur "schön" ist. Ihren Werdegang zu verfolgen, ihre Wandlung, ihre Versuche sich anzupassen und das Leben wieder aufzunehmen, die Verarbeitung ihrer Vergangenheit - kurz: Man entwickelt sich mit Rose. Man leidet mit ihr. Manchmal ist es schwer, vor allem am Anfang, ihr Verhalten nachzuvollziehen. Aber das wird Stück für Stück aufgelöst.
Tja, Roses Eltern... sind ein Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte. Spätestens als sie das zweite Mal (in Roses Erinnerungen) auftauchten, habe ich mein Urteil gefällt: Ich mag sie nicht. Anders: Sie sind krank! Aber genau das macht die Geschichte, finde ich, so... lebendig, so vereinnahmend. Denn sie hat gute Charaktere. Charaktere, die man mag, die man langsam ins Herz schließt, die man nicht mag und die man einfach nur abartig findet.
Ein bisschen hat mich das Buch an Zweiunddieselbe erinnert. Doch Während ich schlief ist viel einnehmender, spannender, es geht etwas mehr unter die Haut, regt dafür aber ein bisschen weniger zum Nachdenken an.
Das Ende ist soweit, finde ich, abgeschlossen. Es lässt sicherlich Raum für mehr, aber im Grunde ist alles gesagt und weitgehend aufgelöst.

Kurz: Überwältigend. Mit den wichtigsten Dornröschen-Elementen, einer dicken Portion Zukunftsvision und lebendigen, eckig-runden Charakteren zieht die Autorin den Leser wirklich in ihre Geschichte hinein und lässt ihn nicht mehr los.



Weitere Informationen:
Verlag: Goldmann
Übersetzer: Karin Diemerling
Taschenbuch, Broschur
Seiten: 352
Originaltitel: A Long, Long Sleep
Reihe: Ja (folgende Titel angekündigt, stehen aber noch nicht fest)
ISBN: 978-3-442-47565-0
Preis: [D] 12,00 €

Kommentare:

  1. Hach, da ist sie ja die Rezension. Zum Glück habe ich noch ein Gutscheinchen und das wird jetzt gut investiert :) Deine Rezi macht wirklich neugierig auf das Buch und hättest du mich damit nicht schon längst angesteckt wäre es spätestens jetzt so weit gewesen!
    liebe Grüße

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  2. Yay, ich musste sie doch portionsweise machen. *uff* Unglaublich, dass mich das Schreiben so auslaugt, wo es doch später mal mein Beruf wird. *lach*
    Ich hoffe wirklich, dass dir das Buch genauso gefallen wird wie mir! Wichtig ist hier, denke ich, dass man Rose eine Chance gibt und sie... ja, irgendwo auch mag. ;-)

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