Dienstag, 6. März 2012

[Rezension] Dark Love von Lia Habel

1. Band
 
Inhalt:
Das Jahr 2195: Im Schatten einer neuen Eiszeit ist die Gesellschaft zerfallen, und die Menschen kämpfen gegen lebende Tote. Als die 17-jährige Nora entführt wird, verliebt sie sich ausgerechnet in deren Anführer. Sie erfährt, dass sie das Schicksal aller wenden kann. Doch sie muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht …
Flackernde Gaslampen, dampfbetriebene Kutschen und Digitagebücher – das ist die Welt von Nora Dearly im Jahr 2195. Die 17-Jährige lebt im Internat, bis sie eines Tages entführt wird: Denn ein Virus greift um sich, das Menschen in lebende Tote verwandelt – und Nora trägt als Einzige die Antikörper in ihrem Blut. Bald muss sie feststellen, dass es auch wandelnde Untote gibt, die sich ihre Menschlichkeit dank eines Antiserums erhalten können. Und Bram, ihr Entführer, ist einer von ihnen. Nora verliebt sich in den jungen Mann, doch die Endlichkeit seiner Existenz bedroht ihre Liebe. Nur Noras Vater, ein hochrangiger Wissenschaftler, könnte ein Gegenmittel entwickeln, doch er ist selbst infiziert und droht zu sterben. Ist Noras Welt endgültig dem Untergang geweiht?

[Quelle: piper-verlag.de]




>>Leseprobe<<



Nora geht mit ihrer besten Freundin auf ein Mädchen-Internat. Die Ferien stehen bevor, doch Nora steht nicht der Sinn nach Hause zu fahren. Denn ihr Vater ist bereits seit einem Jahr tot und mit ihrer Tante, die nun ihr Vormund ist, versteht sie sich nicht besonders.
Als Nora die letzten Meter zu ihrem Zuhause zurück legt, wird sie von einem seltsamen Herrn angesprochen. Doch dabei denkt sie sich weiter nichts - bis sie eines Nachts Geräusche vor dem Fenster hört und plötzlich von Männern angegriffen wird, die sie entführen wollen...

Der erste Band der Dearly Reihe.
Kurz zur Aufmachung: Die ist wirklich sehr schön geraten. Mal etwas anderes. Aber Achtung! Die glänzenden silbernen Stellen sind sehr empfindlich. Ich habe Dark Love normal-vorsichtig gelesen, aber an manchen Stellen rieb sich der Silberlack (?) recht schnell und einfach ab.
Lia Habel erschafft eine ganz eigene Zukunft. Der Schreibstil ist flüssig und ich konnte durchaus auch mit den Protagonisten mitfühlen. Aber. Die Geschichte wird aus fünf unterschiedlichen Perspektiven erzählt (Nora, Bram, Wolfe, Victor und Pamela). Das fand ich ungewöhnlich, brachte aber auch eine gewisse Tiefe und Dynamik in die Geschichte. Das "aber" ist, dass sich der Stil bei den unterschiedlichen Personen leider nicht voneinander - in irgendeiner Weise - abhob. Manchmal hatte ich Schwierigkeiten mich zu orientieren, besonders wenn es Passagen waren, wo zwei der erzählenden Figuren zusammen waren. Trotzdem erhält man durch die wechselnden Erzählperspektiven weit tiefere Einblicke in die verschiedenen Schauplätze. Als Leser kann man sich so das ein oder andere zusammen reimen und einfach die Abläufe besser verstehen.
Zu Beginn sei auch gesagt, dass es eine düstere Version der Zukunft ist. Es geht um Zombies und Habel schmückt da auch nichts besonders aus. Mir persönlich hat das gefallen, aber ich bin mir durchaus im Klaren, dass es nicht jedermanns Geschmack ist. Der Prolog ist schon ziemlich gruselig, wobei diese Gänsehaut-Stimmung (leider) nicht anhält oder gar wiederkehrt(e) - zumindest bei mir.
Gleich am Anfang gibt Nora die Erklärung, warum die zukünftige Welt so ist wie sie ist. Ich fand das durchaus nachvollziehbar: Einerseits besannen sich die Menschen nach der Klima-Katastrophe auf alte Werte, behielten aber trotzdem einen gewissen technologischen Fortschritt bei. Es ist schon eine seltsame Welt - eine Mischung aus Vergangenheit und Zukunft, aus alt und modern. Auch das ist nicht jedermanns 'Ding'. Doch mir persönlich hat es ganz gut gefallen und diese "Werte" sorgen später auch noch für den ein oder anderen Schmunzler.
Es gab eine Wendung, die ich etwas vorhersehbar fand. Aber das will ich gar nicht groß anmäkeln, denn insgesamt hat mich Dark Love gefangen genommen und so schnell auch nicht mehr gehen lassen. Dabei mochte ich Brams Teile am liebsten. Nicht, dass ich die anderen Charaktere (bis auf einen) nicht mochte oder die Sichtweisen der anderen. Nein. Aber Bram war mir gleich sympathisch und sein Schicksal und seine Art, wie er damit zurecht kommt, was er daraus macht, fand ich einfach faszinierend.
Normalerweise gibt es in den Jugendbüchern ja immer eine 'Heldin'. Hier sind es zwei: Nora und Pamela. Beide sind auf ihre Weise stark. Während anfangs noch Nora im Rampenlicht stand, so entwickelt sich Pamela auch und wird von der blassen besten Freundin der Hauptprotagonisten zur einer wirklich starken Kämpferin. Dieser Umschwung mag anfang etwas seltsam anmuten, doch mit späteren Einblicken in Pamelas Denkweise ist es durchaus nachzuvollziehen. So stellt sie ihre beste Freundin Nora beinahe in den Schatten.
Die Zombies sind hier teilweise recht detailliert, und dementsprechend etwas eklig, beschreiben. Mich hat das weniger gestört. Sie waren beinahe so etwas wie Vampire - unkaputtbar, tot, dürstend nach menschlichem Fleisch/Blut. Doch der wesentliche - romantische - Unterschied besteht darin, dass es bei Vampiren ein "für immer und ewig" gibt, während es bei den Zombies "hier und jetzt" heißt. Das vergisst man bei der Geschichte um Nora und Bram schnell - und gern.
Denkt man genauer über die romantischen Teile nach, dann ist es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Hat man die Wesen immer plastisch so vor Augen (vielleicht noch etwas grusliger oder wenn man an sich etwas sensibler ist), dann ist die Stimmung wohl kaum möglich. Es ist einfach zu absurd - und das nicht nur wegen deren Äußerem. Doch, das ist etwas, was ich schon immer gut konnte, ich habe es recht verdrängt. Zwar kam mir immer wieder der Gedanke: "Wie soll das dann weiter gehen?" Aber auch den habe ich brav verdrängt. Denn die "guten" Zombies sind einfach so... lebendig und witzig und ichmochte sie einfach fast von Anfang an.
Davon abgesehen mochte ich die Geschichte "dahinter". Es war ein bisschen Medizin-Krimi, ein bisschen Überlebenskampf, ein bisschen Intrige und ein paar wunderbare Charaktere mit denen es nicht langweilig wurde.

Kurz: Dark Love schleifte mich mit in die Schlacht und nahm mich gefangen. Ganz ohne Blessuren bin ich nicht davon gekommen - im positiven wie im negativen Sinn. Wer aber mit der Zombie-Thematik klar kommt, der bekommt eine berauschende, andersartige Geschichte geboten, die zwar kleine Schwächen aufweist, aber dennoch zu überzeugen weiß.



Weitere Informationen:
Verlag: PIPER
Übersetzer: Diana Bürgel
Taschenbuch, Klappenbroschur
Seiten: 512
Originaltitel: Dearly, Departed
Reihe: Dearly ...
ISBN: 9783492702195
Preis: [D] 15,99 €

Kommentare:

  1. Mh, normalerweise würde ich ja sagen, dass so viele verschiedene Perspektiven es schwieriger machen in die Geschichte rein zu finden und das solche Bücher meist eher oberflächlich bleiben, weil man keinen der Protagonisten wirklich kennen lernt. Aber es macht mich jetzt doch neugierig, dass du das Gegenteil davon sagst. Zudem hört sich diese Welt auch sehr interessant an, ich werde das Buch also sicherlich beizeiten mal lesen :)
    Danke für eine wirklich schöne Rezension!
    liebe Grüße

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  2. Also, anfangs wird primär aus Brams und Noras Sicht erzählt. Dazwischen mal kurz auf Wolfes. Überhaupt sind die Passagen, die Wolfe erzählt relativ kurz. Später wird man etwas mehr in Pamelas Sicht einbezogen - von daher ging's ganz gut.
    Was mich eben ein bisschen gestört hat, dass du keinen eigenen Tenor durchgelesen hast. Schade.
    Hihi, mach das. Bin gespannt, ob es dir dann auch gefällt. ;-)

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  3. Ich habe das Buch gerade gebraucht bekommen, da ist das silber aber noch an keiner Stelle weg .. vielleicht hast Du ein Mängelexemplar?

    Nach Deine Rezi bin ich noch viel gespannter auf das Buch. Danke!

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  4. Hm, vielleicht war ich einfach doch zu unvorsichtig. Ich hatte das aufgeschlagene Buch (natürlich nicht so, dass Knicke drin wären), immer auf dem Schoß oder Sofa liegen. Vielleicht kam's daher?

    Gerne. ;-) Ich hoffe, es erfüllt deine Erwartungen.

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