Freitag, 30. Dezember 2011

[Rezension] Die Tochter der Wälder von Julliet Marillier

1. Band

Inhalt:
Im 9. Jahrhundert nach Christus müssen die keltischen Fürsten ihr Land gegen den Ansturm der Briten verteidigen. Fern der Schlachtfelder wächst Sorcha als jüngste Tochter der Herren von Sevenwaters auf. Das behütete Leben findet ein jähes Ende, als ein Fluch ihre sechs Brüder trifft. Sorcha ist die Einzige, die sie retten kann – doch dafür muss sie mehr aufgeben, als sie sie jemals hätte vorstellen können …

[Quelle: droemer-knaur.de]




>>Leseprobe<<



Die Tochter der Wälder erzählt die Geschichte der jungen Sorcha und ihren sechs Brüdern. Sie leben in Irland, etwas isoliert nahe eines Sees. Sevenwaters ist ein wildes Land, der Wald mysteriös und voller Magie. Der Herr darüber ist Sorchas Vater Lord Colum. Ihre Mutter starb bei Sorchas Geburt. Da ihr Vater sich kaum für sie interessiert, wird das junge Mädchen mehr oder minder von ihren großen Brudern aufgezogen. Die Sieben verbindet ein inniges Verhältnis, auch wenn es mal die ein oder andere 'Streiterei' gibt.
Die Iren müssen ihr Land vor den britischen Eroberern verteidigen. Lord Colum geht mit den Ausländern sehr hart ins Gericht, doch Sorcha und ihren Brüdern Finbar und Connor gelingt es einen jungen Gefangenen zu retten. Doch der ist schwer verletzt und Sorcha, 12 Jahre alt und trotzdem bereits eine gute Heilerin, tut alles, um den jungen Briten wieder auf die Beine zu bringen.
Bis eines Tages eine geheimnisvolle Frau an Lord Colums Seite auftaucht. Sorcha und ihre Brüdern fühlen, dass sie etwas im Schilde führt. Doch sie ahnen nicht was und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Der erste Teil der Sevenwaters Reihe.
Es fiel mir anfangs ein bisschen schwer in Marilliers Schreibstil einzutauchen. Zum einen weil er stellenweise einfach etwas komisch war. Ich bin der Meinung, dass nicht alle Sätze grammatikalisch richtig waren und so bin ich immer mal wieder darüber gestolpert. Es kann auch an der Übersetzung liegen oder einfach daran, dass das Buch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Zum anderen schreibt Marillier teilweise sehr ausführlich. Dabei meine ich nicht, dass die Gegend besonders detailliert beschrieben wird. Aber eher die Gefühle von Sorcha, die die Geschichte erzählt, und die ganzen Hintergrundinformationen wie Erinnerungen und auch der (Aber)Glaube der Leute.
Allerdings fand ich das nicht ganz so schlimm. So lernt man Sorcha und das junge Irland viel besser kennen, wie es damals wohl gewesen war, warum die Leute so handeln. Es festigt die Atmosphäre und auch in gewisser Weise die Realität. Dabei verliert Sorcha nie den roten Faden, auch wenn sie um ihn herum noch viel spinnt und so dem Faden mehr Fleisch als manchmal nötig ist, gibt. Nichtsdestotrotz war ich immer total gespannt, wie es mit Sorcha weitergeht. Denn so, wie die Geschichte erzählt wird, möchte man am liebsten zu einem spannenderen Punkt springen und ganz dringend wissen, wie es sich weiter entwickelt. An solchen Stellen war ich dann regelrecht ungeduldig, was ich aber im Nachhinein eher als positiv empfinde. Es war nämlich nicht so, dass ich keine Lust hatte weiterzulesen. Vielmehr war ich so in Sorchas Worten verstrickt, dass ich dachte "Jetzt muss doch mal was passieren!" oder "Wie geht's denn jetzt weiter?" oder "Mach was, Sorcha! Mach was!".
Es gab Szenen im Buch, die mich unglaublich berührt haben. Bei denen mir zum Lachen und zum Weinen zu Mute war. Bei denen mir auch regelrecht schlecht geworden ist. Die mich so haben mitfühlen und -leiden lassen, dass ich tatsächlich geglaubt habe mittendrin zu stecken (oder zumindest so, dass Sorcha bei mir auf dem Sofa saß und mir ihre Geschichte ganz persönlich erzählt hat). Es ist wohl auch eines der wenigen Bücher, wenn nicht sogar das Einzige, denn spontan erinnere ich mich an kein weiteres, dass mich sogar vor Rührung zum 'Tränchen-abdrücken' gebracht hat. Diese Stelle war einerseits schon etwas... hm, schnulzig, aber andererseits konnte man die Gefühle regelrecht greifen. Es war einfach sehr rührig.
Tatsächlich habe ich dann den Schluß, also etwa die letzten 200 Seiten, förmlich verschlungen. Denn ich musste unbedingt wissen, wie Sorchas Geschichte endet. Trotzdem war es für mich beim Lesen, glaube ich, ganz gut, dass ich zwischen einigen Kapiteln das Buch eine Weile zur Seite gelegt und (parallel) etwas anderes gelesen habe. Irgendwie ist die Geschichte nämlich trotz allem ein harter Brocken (im positiven Sinn).
Zu den Charakteren nur schon so viel: Ich hab sie alle ganz schnell in mein Herz geschlossen. Allen voran natürlich die Erzählerin selbst: Sorcha. Sie ist einfach ein Wahnsinns-Charakter. Anders kann ich es gar nicht beschreiben. Ich habe sie mehr als einmal bewundert und am liebsten hätte ich sie manchmal geschüttelt, damit ein bisschen von ihrer Sturheit abfällt.
Auch Sorchas Brüder (Liam, Diarmid, Connor, Cormack, Finbar, Padrick) haben besonders zum Ende hin eine starke Wandlung durchgemacht. Die ist natürlich durchaus nachvollziehbar. Auch wenn die Brüder als Charaktere nicht soooo extrem oft und 'tief' auftauchen, gewinnt man doch einen guten Einblick.
Den Roten habe ich vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen. So einen Mann hätte ich auch gern. Er ist stetig, beständig, auch irgendwie wild und einfach ein guter Kerl. Ich würde aber nicht sagen, dass er zu perfekt ist, denn auch Lord Hugh von Harrowfield, wie der Rote eigentlich heißt, hat seine Macken, Ecken und Kanten, die auch Sorcha nach und nach kennen lernt.
Durch die Länge der Geschichte, gewinnen sowohl die Story an sich als auch alle Charaktere eine ganz besondere Tiefe. Es gibt nicht nur einen guten Schurken, sondern gleich mehrere. Damit meine ich, dass die Beweggründe der "Bösen" (bis auf eine Person) recht gut beschrieben werden und nachvollziehbar sind. Sie haben, wie die anderen "guten" Charaktere auch, eine gewisse Tiefe, die sie eben nicht blass und farblos und als schlichter Gegenpart erscheinen lässt, weil es einen geben muss. Sie sind grausam, aber eben nicht, weil sie "böse" sind, sondern weil mehr dahinter steckt.
Das Ende, ich muss es zugeben, war nicht ganz nach meinem Geschmack. Ich hätte mir etwas anderes gewünscht. Trotzdem passte es einfach zur Geschichte. Hätte es so geendet, wie ich es mir gewünscht hätte, ich glaube, damit wäre ich auch nicht zufrieden gewesen.
Insgesamt war ich sehr fasziniert von Die Tochter der Wälder, auch wenn es Stellen gab, die ich am liebsten überblättert hätte (was aber eigentlich meiner Ungeduld zuzurechnen ist). Vor allem, weil in Sorchas Geschichte nicht alles so glatt läuft. Auch wenn es ein paar Fantasy-Elemente gibt, kam mir die Geschichte doch recht realistisch vor, denn im realen Leben passieren nun mal nicht immer "tolle" Sachen oder wenden sich schwupp-di-wupp zum Guten.

Kurz: Eine eindringliche, wunderbare Geschichte über einen alten Glauben, eine beinahe unlösbare Aufgabe mit starken, 'ungeschliffenen' Charakteren, die der ganzen Sache so viel Leben einhauchen, dass man selbst meinen könnte mit dabei zu sein.



Weitere Informationen:
Der Roman, bzw. die Reihe wurde in diesem Jahr neu aufgelegt.
Verlag: Knaur.
Taschenbuch
Seiten: 656
Originaltitel: Daughter of the Forest
Reihe: Sevenwaters
ISBN: 978-3-426-50906-7
Preis: [D] 9,99 €

Kommentare:

  1. Schmacht! Eines meiner Lieblingsbücher - die Sevenwaters-Saga ist einfach nur schön. Ich habe die (damalige) Trilogie (ist bestimmt schon 3 Jahre her) regelrecht verschlungen und war sehr überrascht. Damals habe ich kaum Phantstik gelesen und war echt hin und weg! Ich kann dir nur den 2. Teil "Der Sohn der Schatten" empfehlen, den ich sogar noch ein Ticken besser fand (erinnert mich ein bisschen an "Der Kuss des Kjer). Dort geht es um Sorchas Tochter/Töchter und die Story um Sorcha und dem Roten wird somit ein bisschen weitergestrickt (auch seeeehr traurig und berührend). Ach ja, eine wunderbare Rezi! Die Bücher werde ich sicherlich irgendwann nochmals lesen.

    LG Reni

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  2. Ich war ja erst ein bisschen skeptisch. *lach* Aber mich haben sie auch total berührt.
    Und, keine Angst, Band 2 und 3 stehen schon hier bei mir. *lach* "Der Kuss des Kjer" hab ich noch gar nicht gelesen. :O Muss ich bei Gelegenheit auch mal nachholen.
    Jetzt haste mich aber noch neugieriger auf den Rest der Sevenwaters-Saga gemacht. *g*

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