Hallo alle miteinander!
Wie fleißige Leser-chans wissen, studiere ich Journalismus. Unter anderem haben wir in diesem Semester das Fach
Medienethik. Wir diskutieren über verschiedene 'Vorfälle' in der Presse, was Journalisten erlaubt ist, was nicht, nach welchem Kodex man sich richten kann und sollte. Für uns ist das der
Pressekodex, der vom deutschen Presserat herausgegeben/aufgestellt wurde.
Wie ich nun auf diesen Trichter komme?
Nun, wir haben uns gestern unter anderem über die
Ziffer 7 unterhalten:
Trennung von Werbung und Redaktion. Das kenne ich bereits aus meiner Ausbildung und das Thema wurde seit jeher heiß diskutiert. Auch gestern in unserer Vorlesung. Das möchte ich jetzt aber nicht weiter ausweiten (denn ich denke, es interessiert euch eher weniger), sondern zum Punkt kommen, warum ich mir heute den Pressekodex in Bezug auf (meine) Rezensionen zur Brust nehme. Übrigens spielt
Ziffer 15 -
Vergünstigungen - wohl auch eine Rolle.
Dazu zwei Zitate aus oben genanntem Pressekodex:
Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden.
[Quelle: Pressekodex, Ziffer 7]
Die Annahme von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar.
[Quelle: Pressekodex, Ziffer 15]
Jetzt werdet ihr euch sicher fragen, warum ich gerade den Pressekodex anspreche. Und was hat das mit Rezensionen zu tun? Blogger sind doch keine Journalisten, oder?
Nein, ich glaube 'wir' Buch-Blogger sind keine. Auch wenn das ein
gewisser Herr anders sieht oder sehen will. Aber dieses 'skandalöse' Interview, eine Entwicklung, die ich nun schon etwas länger beobachte und die gestrige Vorlesung gaben mir den kleinen Anstoß zu diesem Blog-Post.
Zwar sind wir Blogger keine Journalisten, aber viele Blogger bekommen Rezensionsexemplare. Nun kann man das zweierlei sehen: Bin ich als Blogger dann die
Werbefläche vom Verlag? Oder bin ich dann doch eher der
'Journalist', der seine Meinung kund tut?
Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht. Denn ich fordere zwar explizit keine Rezensionsexemplare vom Verlag direkt an und habe dies auch nicht vor. Aber ich benutze immerhin Plattformen wie
vorablesen,
Buchbotschafter,
Blogg dein Buch oder nehme auch mal an einer Verlagsaktion teil. So komme ich, mehr oder minder direkt, ja auch an Rezensionsexemplare, also
Vergünstigungen. Und da ein Blog so irgendwie auch zur
Werbefläche wird, liegt der Verdacht von "
Vermischung von Redaktion und Werbung" nahe.
Nun, ich bin (noch) keine Journalistin und hier auf diesem Blog, den ich privat und als Hobby betreibe, schon gleich dreimal nicht. Trotzdem ist mir meine unabhängige Meinung sehr wichtig. Was mich nahtlos zu dieser Entwicklung bringt: Mir ist aufgefallen, dass Blogger, die Rezensionsexemplare bekommen, diese scheinbar prinzipiell recht gut bewerten (oder: zu bewerten scheinen). Mal davon abgesehen, dass ich oft Rezensionen zu Rezensionsexemplaren lese, die sich nicht mal "Meinungsäußerung" schimpfen dürften.
Mit Rezensionsexemplaren ist das immerhin so eine Sache. Man freut sich ja total, wenn man als Leseratte ein Buch kostenlos in Händen halten und lesen darf. Da ist die Leseratte dem Verlag natürlich dankbar und hat vielleicht ein schlechtes Gewissen, dass ihr das Buch dann doch nicht ganz so gefallen hat. (Es gibt natürlich auch zahlreiche Ausnahmen!) Also, was tut die Leseratte? Weil sie ja weiterhin kostenlose Exemplare vom Verlag ergaun... äh, erhalten möchte, schreibt sie eine super positive Rezension. Und fügt vielleicht ein "Ein Minikritikpunkt (...)" ein und vergibt von 5 möglichen Punkten 4,9.
Erinnert euch das an was? Ja? Haben wir hier Automagazin-Leser unter uns? Reisejournal-Leser? Und wie war das noch mal mit Werbung und redaktionellem Inhalt? Cosmopolitan? Brigitte? Frauenzeitschriften im Allgemeinen anyone?
Wenn das also 'richtige' Journalisten machen (dürfen), warum dann die Blogger-Leseratte nicht auch? Man lebt es ja vor, liest es überall. Es scheint Gang und Gäbe zu sein. Warum ich nicht auch?
Ich weiß nicht, in welche Redaktion es mich irgendwann einmal verschlagen wird. Fakt ist aber, dass ich mir auf diesem Blog meine Meinung erhalten will. Wenn ich ein Buch schlecht finde, dann könnt ihr euch sicher sein, dass ich das auch so sage (und es begründe oder zumindest versuche!). Wenn ich es gut/toll/spitze finde, dann könnt ihr euch ebenfalls sicher sein, dass ich das so sagen werde. Egal, ob ich mir das Buch selbst gekauft, es gewonnen, als Reziexemplar oder geschenkt bekommen habe.
Tatsächlich muss ich aber vor mir selbst gestehen, dass ich kein superkritscher Leser bin. Ich bin kein Fan von "schwerer", "intellektueller" Literatur (wie man, denke ich, an
meinen Rezensionen und Buchgeschmack sehen kann). Entweder ein Buch packt mich und kann mich begeistern - oder eben nicht. Ich analysiere im weitesten Sinne nicht und ich maße mir auch nicht an ein objektives Urteil zu bilden (wie es der
gewisse Herr gerne unterstellt), denn dafür bin ich einfach nicht ausgebildet.
Dieser Blog ist ein
privater Blog, auf dem ich
meine Meinung zu meiner
privaten Lektüre poste und ich halte mich, trotz allem, an
gewisse Regeln. Diese schließen im weitesten Sinn nun mal gerade die Ziffern 7 und 15 des Pressekodex ein: Ich lasse mich nicht bestechen und meine Meinung wird frei geäußert!
Habt ihr euch auch schon mit diesem Thema auseinander gesetzt? Wie haltet ihr das? Habt ihr auch eure 'persönlichen' Regeln, was ihr auf eurem Blog postet und was nicht? Wie weit würdet ihr für ein Rezensionsexemplar gehen?