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Sonntag, 25. November 2012

[Rezension] Mal was ganz anderes...

Hallo alle miteinander!

Eigentlich wollte ich euch hier meinen Wochenrückblick präsentieren, der - zugegeben - längst überfällig ist. Aber nachdem ich jetzt beinahe zwei Stunden in unserer WG-Küche zugebracht und gewerkelt habe (und es fühlte sich an wie ein ganzer Nachmittag!), habe ich mich zu einer Rezension der etwas anderen Art entschlossen...



Die kleine Pralinenmanufaktur
(oder: Die kleine Höllenschokofabrik...)

Vor ein paar Wochen habe ich mir dieses Buch in Geschenkbox und mit 30 Silikonpralinenförmchen bestellt.
Nein, ich habe nicht aus meinem Plätzchendebakel von vor drei oder vier Jahren gelernt (sieben (!!!!) Sorten verschiedenen Plätzchen - zwei Tage und ein absolut unbegabter Bäcker (--> me!) = Katastrophe und Beinahe-Nervenzusammenbruch). Ich wollte dieses Jahr unbedingt Pralinen selber machen. Nein, natürlich nicht um sie selber zu essen, denn ich bin ja bekanntlich nicht der größte Schokofan. "Ach, das wird doch bestimmt easy-peasy", dachte ich mir.
Hört jemand die kleine gehässige Stimme in mir lachen? Ich bis dato jedenfalls nicht.

Zum Buch:
Es ist gebunden, 10 x 12,5 cm groß und handlich. Leider aber zum Aufschlagen daher nicht besonders gut geeignet... Es sei denn, man hat so einen tollen Kochbuchhalter (Memo an Hirn: Irgendwann so einen Halter besorgen...).
Es gibt zu jeder Sorte Pralinen wirklich tolle Fotos - wie sie eigentlich aussehen sollen (ich erspare euch die eigentlichen Fotos von meinen Pralinen - zumal sie auch auf verschiedene Kühlschränke in verschiedenen Städten momentan verteilt sind...). 20 Pralinensorten könnte (!) man machen, so man denn die Muse hat. Die Auswahl mag zwar klein erscheinen, aber ich finde sie insgesamt sehr toll. Da gibt es bspw. die "klassischen" mit Nuss, aber auch ausgefallene wie mit Limette und Ingwer oder Matcha Tee. Insgesamt bin ich also zufrieden - zu viel ist ja auch nicht immer gut (vor allem bei entscheidungsunfreudigen Menschen wie mich).
Auf den ersten Seiten befindet sich dann noch eine Schritt-für-Schritt-Erklärung wie die Pralinen (grundsätzlich) hergestellt werden sollen - jeweils auch mit einem Foto. An sich eine wunderbare Idee, die sich als schwierig für Anfänger (finde ich) und absolute Ungeduldspinsel (wie mich) gestaltet. Aber gut.

Die Umsetzung:
Angefangen habe ich mit Marmorpralinen. Die erschienen mir am leichtesten zu machen. Vollmilchschokolade und weiße Schokolade schmelzen, zusammen gießen, umrühren - fertig. Na, das bekomme ja sogar ich hin! ... ... ... Na ja.
Wer Pralinen macht, ungeduldig ist, kein Thermometer zum Messen der Tempartur (der Schokolade!!! Nicht, was ihr jetzt vielleicht wieder denkt...) und sowieso eher zur Grobmotorik neigt, dem sei schon mal gesagt, dass die Küche danach wie ein schwarz-weißes Schokoschlachtfeld aussehen wird. Der "Marmor" ist dann nicht nur IN den Pralinen, sondern auch drum herum. Aber hey, ohne ein bisschen Sauerei wäre die ganze Schokomansche doch nur halbso lustig!
Insgesamt hat das aber schon mal ganz gut geklappt, wenn wohl auch die Schokolade doch zu kalt (?) war oder ich einfach noch zwei Paar Hände mehr gebraucht hätte (wie Kamajii aus Chihiros Reise ins Zauberland)... Oder einfach weniger Schokolade in die Förmchen hätte gießen sollen (und sie nicht wirklich randvoll gemacht hätte...). Sie schmeck(t)en und waren auch relativ fix fertig. Was mir Mut zur zweiten Sorte machte...

Milchschokolade, Karamell und Mandeln. Natürlich sahen die Pralinen auf dem Foto wieder traumhaft aus und auch die Herstellung schien doch nicht SO schwer zu sein... Jaja, wenn man denn "Karamell" und "gehackte Mandel" auch definieren würde... Oder so. Aber von Anfang an.
Schokoladeschmelzen hatte ich ja mittlerweile drauf - auch ohne Thermometer. In Förmchen gießen sah jetzt auch nicht mehr aus wie eine eingeschlagene Bombe, sondern eher wie einmal Wand-Streichen (obwohl das bei mir wesentlich weniger Sauerei verursacht...). Neben nörgelnder Mutter ("Musst du unbedingt JETZT in der Küche hantieren?" - Ami denkt: "Wann denn sonst? Nachts um Drei?" - Egal wann, der Spruch wäre IMMER gekommen...) und neugierigem, fast besserwisserischem Vater ("Das macht man eigentlich nicht so..." - "Es steht aber genau SO im Buch! o_O") war das Pralinenmachen doch dann auch fast ein Klacks. Sogar das Karamell sah wunderbar aus - bis... ja, bis die "gehackten Mandeln" (definiere mal bitte einer gehackt...) dazu kamen und die ganze zähe Masse in eine bröckelige Irgendwas-Masse verwandelt haben, die doch eigentlich - mehr oder minder - flüssig sein sollte (jedenfalls laut - betrügerischem - Bild im Pralinenbuch!). Da ich dann eh zu viel Schokolade hatte (wie auch bei der letzten Fuhre...), hab ich einfach noch ein paar Kleckse oben drüber.
Ergebnis: Zufriedenstellend, aber künstlerisch eine Katastrophe. Na, zumindest schmecken sie.

Den Abschuss lieferten dann heute aber die Dunkle Schokolade mit Himbeeren.
Nächsthöheres Level der Pralinenmacherei! Diesmal sollten es Pralinen mit sogenannter Ganache werden! Schokolade schmelzen - check. "Mantel" herstellen - nach ein bisschen versuchen, check. Selbst die Ganache ließ sich ja wirklich "einfach" herstellen. Wow. Und das für mich als wirklich unbegabte Pâtissière.
Es sollten 400g dunkle Schokolade geschmolzen werden. Für Mantel und "Deckel". Okayyyy. Nach meiner Erfahrung - haha - hätte da eigentlich schon eine riesige rotblinkende Sirene angehen sollen. Aber nein. Brav ans Rezept halten. Für die Ganache noch einmal 250 g (!!!!) Schokolade plus 180 g (!!!!) Himbeerkonfitüre. Spätestens jetzt hätte mich der Holzhammer treffen sollen - oder schlichtweg gesunder Menschenverstand. Denn diese Angaben beziehen sich jeweils auf 30 Pralinen (!!!!!!). Aber nein. Brav ans Rezept halten.
Das Ergebnis: 30 kleine, kreuzelige Pralinen und 20 Riesenpralinen. Wer hat aufgepasst?
Ich hatte so viel an Schokomasse und Ganache übrig, dass ich tatsächlich noch 20 (!!!) Förmchen (mit knapp 4,5 cm Durchmesser) mit Schokolade (Boden) und Ganache (der Rest bis oben hin) füllen konnte.
Und ich meinte gestern noch großkotzig zu meinem Dad: "Also, die Förmchen da brauch ich doch echt nicht! So viel mach ich doch NIE im Leben!" Ja, Väter wissen's halt manchmal doch besser...

Mein Fazit:
NIE WIEDER! Oder wenn dann nur mit mindestens einer Person, die weiß, was sie da tut.
Für Anfänger ist das Buch, würde ich behaupten, eher schwierig. Man sollte zumindest schon ein bisschen Ahnung vom Backen oder Schokoladenverarbeitung haben - und sich vor allem auf mehr als die angegebenen knapp 30 Minuten (bei jeder Sorte circa) einstellen.
Na gut, "nie wieder" ist vielleicht übertrieben. Eine Sorte werde ich demnächst wohl schon noch machen (allein, weil ich noch knapp 500g Schokolade im Kühlschrank hab, die ich sonst eh niemals essen würde...), aber dann hab auch ich erst mal genug... bis in drei Jahren. :D





PS: Keine Ahnung wie die Schoko-Himbeer-Pralinen schmecken... einzeln hat die Masse gut geschmeckt... Sie kühlen gerade aus und ich habe die Befürchtung, dass die Riesenpralinen mit Förmchen gegessen werden müssen...

PS2 (29.11.12) : Die großen Pralinen sind seit gestern weg - Rekord! Selbst bei unserer Schoko-WG! Die waren aber auch echt lecker...

Dienstag, 20. November 2012

[Rezension] Nieundewig von Mary E. Pearson

2. Band
Inhalt:
Bis wann bist du ein Mensch?
Nach einem Autounfall ist Lockes Seele in einem Computer gefangen. 260 Jahre später schlägt er in einem künstlich rekonstruierten Körper die Augen auf – und sofort sind seine Gefühle für Jenna wieder da. Doch hat seine Seele wirklich unbeschadet überlebt? Und warum hat Jenna in all den Jahren nie versucht, ihn zu retten? Die Suche nach der Wahrheit wird für Locke zu einer lebensgefährlichen Reise.

[Quelle: fischerverlage.de]


Habe ich schon gesagt, dass ich Schmetterlinge liebe? Und Rot eigentlich nicht ausstehen kann? Der rote Schmetterling ist schon sehr dominant und passt irgendwie auch nicht zu Locke (um den es ja in Nieundewig geht). Aber sowohl die Covergestaltung als auch der Titel drücken für mich persönlich einfach so etwas... poetisches aus - genau wie das Buch an sich auch. Optisch passt es natürlich auch zum Vorgänger (Zweiunddieselbe). Der Schutzumschlag ist übrigens leicht rau. Es sind diese Details bei der Gestaltung, die ich gerade beim Fischer Jugendbuch Verlag (oder in dem Fall Schatzinsel) so schätze.

Diesmal geht es also um Locke, den wir schon aus dem ersten Band kennen - mehr oder weniger. Er erzählt seine Geschichte selbst (im Präsens) und schafft dadurch eine besondere Nähe. Obwohl ich - leider - sagen muss, dass ich Locke zwar mochte, aber der Funke zu ihm nicht so ganz übergesprungen ist. Da hat es mir Jenna in Zweiunddieselbe leichter gemacht.
Ähnlich wie in Jennas Geschichte ist auch hier die Atmosphäre wieder sehr dicht, ein bisschen melancholisch und regt definitiv wieder zum Nachdenken an. Es ist kein Buch, das man mal eben so weg liest. Nein, es ist vielmehr ein Stück Edelschokolade, das langsam auf der Zunge zergeht. Denn leichte Kost liefert Pearson hier nicht.
Es geht wieder um die Frage: "Bis wann bist du ein Mensch?" Diesmal geht es sogar noch weiter, denn eigentlich sind Locke und Kara "tot", ausgelöscht, nicht mehr existierend. Eigentlich. Aber Locke ist trotzdem ein so lebendiger Charakter mit Ecken und Kanten. Das macht ihn griffiger und realer. Einerseits ist Locke noch der 16-jährige Junge von "damals", gleichzeitig aber auch eine alte Seele. Ihm fehlt - ganz klar - Erfahrung und Entwicklung. Und doch macht er letztere auf den knapp 400 Seiten durch, reift und versucht sich selbst zu finden.
Was ich auch immer wieder faszinierend beim Lesen fand: Wie Pearson sich die Welt in gut 250 Jahren in der Zukunft vorstellt - oder beschreibt. Ihre Zuklunft ist vertraut, aber dennoch ganz anders. Ich hatte nie das Gefühl in einer total "abgespaceten" Zeit zu sein - wo alles möglich und nichts real erscheint.
Auch das Beziehungsgeflecht der Protagonisten (Jenna-Locke-Kara) fand ich spannend. Zum einen, weil Locke und Kara doch noch irgendwie die Teenager sind - und dann auch wieder nicht. Und Jenna hingegen eher die "alte Frau", aber eben dann doch noch Teenie - wenn das einen Sinn ergibt. Dass sich Jenna diesen jungen Menschen in sich all die Jahre erhalten konnte, finde ich schon erstaunlich, wenn man ihre Geschichte bedenkt. Ebenso erstaunlich, wie Locke noch der nette, sympathische Junge von nebenan ist, der zwar jetzt perfekt aussieht, aber dennoch seiner eben nicht perfekten "Fassade" hinterher trauert.
Insgesamt hat Zweiunddieselbe mehr Eindruck bei mir hinterlassen. Dennoch ist Nieundewig eine gelungene Fortsetzung, die einfach (und zum Glück) noch fortgesetzt werden muss. Allein schon, weil die Charaktere so liebenswert sind, der Schreibstil und das Setting einmalig und schlussendlich auch noch einiges geklärt werden soll.

Kurz: Nieundewig ist eines dieser Bücher, die einen lange beschäftigen und die man immer wieder zur Hand nehmen kann.   




Weitere Informationen:
Verlag: Fischer Jugendbuch
Übersetzer: Maren Illinger
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 384
Originaltitel: The Fox Inheritance
Reihe: Jenna Fox Chronicles
ISBN: 978-3-596-85475-2
Preis: [D] 15,99 €
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Montag, 24. September 2012

[Rezension] Sturz in die Zeit von Julie Cross

1. Band

Inhalt:
Jackson Meyer, Student in New York, hält sich für einen ganz normalen Neunzehnjährigen, bis er zufällig feststellt: Er kann für ein paar Stunden in der Zeit zurückreisen. Alles ist nur ein harmloser Spaß, bis eines Tages die Katastrophe passiert: Zwei Fremde überfallen ihn und seine Freundin Holly im Studentenwohnheim – und erschießen Holly. In seiner Panik stürzt Jackson in die Vergangenheit und landet plötzlich zwei Jahre vor dem Ereignis. Von da an hat er nur eines im Sinn: zurückzukommen und Holly zu retten. Er wird ALLES dafür tun. ALLES - für seine große Liebe.
Der erste Band der großen Zeitreise-Trilogie.

[Quelle: fischerverlage.de]

>>Leseprobe<<

Die Aufmachung von Fischer Jugendbuch ist ja immer speziell - im Positiven. So auch hier: Der Einband glänzt metallisch, was zum Thema ganz gut passt, wie ich finde. Das Cover reitz mich einerseits, andererseits finde ich den jungen Mann ein bisschen irritierend. Jackson stelle ich mir (obwohl er so beschrieben wird wie auf dem Cover dargestellt) trotzdem anders vor. Insgesamt stört mich das aber weniger. Da die Geschichte auch aus Jacksons Sicht erzählt wird und das Cover ja doch "herb" ist, passt es, meiner Meinung nach, auch sehr gut.

Wie bereits erwähnt, erzählt Jackson seine Geschichte selbst - in der Vergangenheitsform. Er war mir gleich sympathisch, ebenso wie seine Freunde Holly und Adam. Sein Äußeres wird allerdings erst relativ spät beschrieben, was mich beim "Kopfkino" etwas stolpern hat lassen. Besonders als er von seiner Zwillingsschwester Courtney erzählt und ihr Äußeres beschreibt.
Der Einstieg in Jacksons Geschichte war für mich auch etwas holprig. Jackson kann durch die Zeit springen, aber nichts im Zeitablauf verändern. Sein Freund Adam und er experimentieren deshalb, denn Jackson weiß selbst nicht, was es mit den Zeitsprüngen auf sich hat. Dadurch ist es auch anfangs etwas verwirrend und stockend. Cross plänkelt auch nicht lange herum und stößt ihren Protagonisten gleich in einen Albtraum: Seine Freundin Holly wird erschossen. Damit beginnt Jacksons Suche danach, dieses Ereignis zu verhindern. Er stößt immer wieder auf Widrigkeiten, auf Geheimnisse, auf Sackgassen.
Wie es bei Zeitreise-Romanen üblich ist - würde ich behaupten - ist es gar nicht so einfach den verschiedenen Zeitleisten zu folgen. Ich musste durchaus öfter eine Passage lesen, was aber nichts mit dem Schreibstil zu tun hat. Es sind eher die vielen Fäden, die Cross um ihren Protagonisten spinnt, mit ihm verknüpft und daraus ihren Geschichten-Teppich webt. Anfang kommt er wohl mit einem wirren Muster daher, bis sich der Spieß langsam umdreht. Manche Details kann man sich im Laufe der Geschichte sicherlich erschließen - auch wenn Jackson etwas länger dazu braucht, um die Zusammenhänge zu verstehen. Trotzdem bleibt die Geschichte spannend, denn immer wieder laufen neue - verschiedenfarbige - Fäden zusammen, verknoten sich und führen auf symmetrische und verrückte Muster zu - um bei der Teppich-Metapher zu bleiben.
Es geht viel um Spionage, Geheimniskrämerei. Insgesamt ist es ein eher ruhiger Erzähltenor mit ein paar Action-Szenen. Cross gelingt es, dass ich mich sehr gut in Jackson eindenken und -fühlen konnte. Ihr Schreibstil ist flüssig und solide. Mir hat allerdings das "gewisse Etwas" gefehlt, das den Funken vollends hätte überspringen lassen.
Nach dem Klappentext hatte ich, ehrlich gesagt, auch eine andere Geschichte erwartet. Vielleicht eine Portion mehr Romantik, obwohl die Beziehung zu Holly schon ein wichtiger Punkt ist. Sie ist aber nicht übermäßig "verkitscht" oder gar überzogen. Sie fügt sich - wie auch die anderen Handlungsstränge - wunderbar in Jacksons Geschichte ein. Nichts wirkt aufgesetzt oder erzwungen.
Das Ende ist einerseits abgeschlossen, andererseits bleiben aber auch noch einige Fragen ungeklärt. Was nicht weiter schlimm ist, da noch zwei Bände folgen werden. Auch bin ich mir nicht sicher, wer nun "böse" oder "gut" ist. Oder ist alles nur "grau"? Ich denke, da hat Cross noch einiges in petto!

Kurz: Eine packende Geschichte, die verspricht noch viel spannender zu werden!




Weitere Informationen:
Offizielle Webseite
Verlag: Fischer Jugendbuch
Übersetzer: Birgit Schmitz
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 512
Originaltitel: Tempest
Reihe: Tempest
ISBN: 978-3-8414-2209-5
Preis: [D] 16,99 €
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Dienstag, 7. August 2012

[Rezension] Aus dunkler Gnade von Melissa Marr

5. Band (abgeschlossen)


Inhalt:
Der Sommerkönig Keenan ist verschwunden. Die Elfenhöfe bereiten sich auf die entscheidende Schlacht vor. Ein mächtiger Fremder ist auf den nächtlichen Straßen von Huntsdale unterwegs. Und Ashlyn - die sehnt sich wie verrückt nach Seth, während sie versucht, ihren eigenen Hof zusammenzuhalten.
Aber Seth hat mittlerweile eine ganz eigene Rolle im Spiel der Mächte - und das könnte ihn das Leben kosten ...

[Quelle: carlsen.de]

>>Leseprobe<<


Zuerst möchte ich (wieder) die äußere Erscheinung ansprechen. Ich bin ja ein Fan der Sommerlicht-Cover. Ich mag das verschnörkelte und irgendwie haben sie was, auch wenn ich die Originale beinahe schöner finde. Trotzdem zeigen die Cover für mich, dass es hier etwas düsterer zugeht und auch in gewisser Weise ein bisschen 'erwachsener' ist. Neben einem Schutzumschlag gibt's - natürlich - ein Lesebändchen.

Ich persönlich bin einfach kein Fan von Elfen-/Feen-Geschichten. Optisch: ja - lesetechnisch: nein. Dennoch schafft es Melissa Marr mit ihrem ganz eigentümlichen Erzähltenor, dass mich genau diese Serie so in ihren Bann zieht. Ich würde es gern mit einer schönen, rockigen Reibeisenstimme vergleichen. Denn genau das ist der Schreibstil für mich: Kratzig, eindringlich und er rockt einfach. Obwohl Marr stets aus der dritten Person erzählt, ist der Leser unglaublich nah am Charakter dran. Je nachdem aus welcher Perspektive gerade erzählt wird. Das schafft auch nicht jeder. Denn die dritte Person ist für mich prinzipiell immer mit einer gewissen Distanziertheit verbunden.
Was mich auch immer wieder auf's Neue fasziniert, ist die Tatsache, dass es die Autorin schafft wirklich augenblicklich ein Kopfkino entstehen zu lassen. Ihre Worte werden sofort lebendig, aber nicht nur das. Für mich haben sie auch ihren ganz eigenen "Stempel" - rauchig, düster, kantig.
Die Kapitel sind insgesamt sehr kurz gehalten - zumindest kam es mir so vor. Ich persönlich ziehe das ja vor, denn so ist für mich ein Roman einfach dynamischer, abwechslungsreicher, besonders, wenn er - wie in diesem Fall - aus unterschiedlichen Perspektiven (Keenan, Ash, Donia, Seth, Far Dorcha...) erzählt wird.
Als kleinen Kritikpunkt möchte ich anführen, dass ich das Gefühl hatte, dass Marr sich manchmal nicht so streng an ihre eigenen Regeln hält. Zum Beispiel dürfen Elfen nicht lügen, müssen also immer die Wahrheit sagen. An manchen Stellen habe ich jedoch bezweifelt, ob die Autorin es dort auch so streng genommen hat. Auch Keenan ist so ein Charakter, den ich - trotz allem - irgendwie nicht besonders sympathisch finde. Ich kann nicht erklären, woran es explizit liegt. Nicht, dass Marr einen schlechten/langweiligen Charakter geschaffen hätte, aber Keenan ist wohl eine Klasse für sich. Allerdings macht Keenan hier wirklich eine Wandlung durch und er macht sich da wirklich. Donias Leidenschaft kann ich zwar immer noch nicht ganz nachvollziehen (ich bin halt Seth-Fan), aber in diesem Licht betrachtet, kann ich Keenan schlichtweg mehr abgewinnen.
Aber genau das ist es, was Marrs Protgonisten so lebendig macht: Sie haben Ecken und Kanten. Das macht Keenan & Co. realer, lebendiger. Auch die Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren scheinen ebenso real, komplex und teilweise verworren, wie die Protagonisten selbst. Hier läuft einfach nichts nach Schema und das ist auch gut so! Auch die Atmosphäre ist stets mit diesem Schleier, diesem Rauch bedeckt, wirkt einerseits düster und rauchig, andererseits klirrend klar und hart. Aber eben auch mal hell und weich. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es drauf ankam, an welchem Hof sich der Leser befand. Trotzdem hatte alles eine... dreckige Note, was ich nicht negativ meine!
Es gibt in diesem Band eine tragische Wendung, die für mich so knapp und kurz beschrieben wurde, dass ich sie nicht mal richtig "sacken" lassen konnte, nicht mal richtig traurig war.
Insgesamt war die Reihe (ich nehme Band vier aus, da ich den nicht gelesen habe) sehr düster, brutal, aber auch wundervoll. Es war 'erwachsener' als viele andere Jugendbücher, würde ich sagen. Nicht nur, was die Gewalt angeht, sondern auch die Beziehungsgeflechte, die Charaktere. Liebe ist ein starkes Thema - im Buch, in der Reihe - aber trotzdem wirkt es nicht eine Zeile oder gar einen Satz lang kitschig. Die Beziehungen sind hier wirklich toll ausgearbeitet, leben und atmen einfach.
Wie oben bereits erwähnt, habe ich Band vier nicht gelesen, aber natürlich die Vorgänger. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass mir elementare Geschehnisse und Ereignisse fehlen, da diese im Roman noch einmal angesprochen werden. Nichtsdestotrotz wird es wahrscheinlich besser sein, die Vorgänger gelesen zu haben, weil man dann noch mehr in der Welt drin ist und den letzten Band vielleicht noch einen Tacken besser versteht.

Kurz: Der Abschluss hatte alles: Tragik, Spannung und Gefühl. Der Schluss ist wirklich wundertoll gelungen - einen besseren hätte es nicht geben können!



Weitere Informationen:
Mehr Infos über die Reihe auf bittersweet
Verlag: Carlsen
Übersetzer: Birgit Schmitz
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 336
Originaltitel: Darkest Mercy
Reihe: Sommerlicht / Wicked Lovely
ISBN: 978-3-551-58263-8
Preis: [D] 17,90 €
Aus dunkler Gnade bei Amazon, bol, buch

Freitag, 20. Juli 2012

[Rezension] Küss den Wolf von Gabriella Engelmann


Inhalt:
Pippa ist verliebt! In Leo, den attraktivsten, charmantesten Typen, den die Welt je gesehen hat. Glücklich wie noch nie, macht sie sich auf den Weg zu ihrer Großmutter, doch in deren idyllischem Waldhäuschen passiert gerade eine unerklärliche Katastrophe nach der anderen. Irgendetwas geht dort ganz und gar nicht mit rechten Dingen zu. Und Pippa fragt sich, was der mysteriöse Marc damit zu tun hat.

[Quelle: arena-verlag.de]


Für eine Märchen-Verrückte wie mich, gehört es ja zum guten Ton sich allerlei Märchen-Adaptionen und dergleichen reinzuziehen. Besonders Gabriella Engelmanns Umsetzungen werden da hoch gelobt. Na, das musste ich doch einfach mal selbst überprüfen. Ob man der Meinung so viel er trauen kann? Yes, we can. Aber nun etwas ausführlicher.
Angerauscht ist Rotkäppchen, alias Pippa, nämlich als Gewinn. Ich konnte mich also - endlich mal - selbst überzeugen, was da denn dran ist. Brauch ich mehr davon? Oder reicht gar diese eine Geschichte... Rotkäppchen ist jetzt ja auch nicht unbedingt mein Märchen-Favorit, aber mal schauen. Die Aufmachung gefällt mir schon mal gut. Der Kontrast, das doch etwas andere Cover, ein bisschen märchenhaft, aber eben nicht zu sehr.
Genau wie die Geschichte. Denn die ist im Hier und Jetzt mit einem kleinen Schuss Magie verankert. Es ist Rotkäppchen mal anders - mal ganz anders. Die Autorin hat hier die wesentlichen Elemente übernommen und ganz neu vermixt. Anfangs - ich muss es gestehen - war ich doch ein bisschen skeptisch. "Och, Mensch, das ist schon sehr frei interpretiert", dachte ich mir.
Aber die Geschichte um Pippa, ihrer ersten Liebe zu Leo, der kleinen Krimi-Story und die Charaktere insgesamt haben es mir dann doch so sehr angetan, dass ich das Buch beinahe in Rekordzeit gelesen hatte. Es ist frisch, lustig, zauberhaft und auch ein bisschen zickig, was so viele Mädels auf einem Haufen so an sich haben. Küss den Wolf ist nicht streng an das Märchen Rotkäppchen angelehnt. Vielmehr ist es eine spannende Teenie-Geschichte, die so leicht ist als würde man auf einer Wolke schweben - im positiven Sinn natürlich.
Auch wenn ich an manchen Stellen etwas genervt war (Holla hat es mir zu Beginn nicht leicht gemacht!), musste ich doch mehr Lachen und Schmunzeln - und definitiv wissen, wie es weiter geht. Besonders gut hat mir gefallen, dass es am Anfang ein Personenregister gibt. Bei doch so vielen Charakteren auf "so wenig" Buch, war es zum Einstieg wirklich äußerst hilfreich - aber spoilerte natürlich nicht. Als Zuckerl gibt's zum Schluss auch noch ein Rezept für eine Rotkäppchentorte - yamyam!

Kurz: Eine spritzige Märchen-Adaption in der Jetzt-Zeit. Zauberhaft erzählt, aber viel zu schnell vorbei - wie das eben bei Märchen so ist! Zum Glück gibt's Nachschub!




Weitere Informationen:
Die Mikroseite zur "Reihe"
Verlag: Arena
Taschenbuch, Klappenbroschur
Seiten: 256
Reihe: ja, lose: Märchen-Adaptionen (s. oben)
ISBN: 978-3-401-06725-4
Preis: [D] 9,99 €
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Dienstag, 10. Juli 2012

[Rezension] Shadow Falls Camp: Geboren um Mitternacht von C. C. Hunter

1. Band
Inhalt:
In Kylies Leben geht alles schief: Ihre Eltern lassen sich scheiden, ihr Freund hat Schluss gemacht, und ihre Mutter schickt sie auch noch in ein Sommercamp. Doch Shadow Falls ist anders: Hierher kommt nur, wer übernatürliche Kräfte hat – Feen, Hexen, Vampire, Gestaltwandler und Werwölfe. Auch Kylie soll besondere Fähigkeiten haben – wenn sie nur wüsste, welche …
Doch plötzlich wird das Camp bedroht. Nur, wenn sie alle ihre besonderen Kräfte gemeinsam einsetzen, werden sie die übermächtigen Feinde besiegen können.

[Quelle: fischerverlage.de]



>>Leseprobe<<



Zu allerst möchte ich wieder auf das Augenscheinliche eingehen: Die Gestaltung.
Meiner Meinung nach hat es da der Fischer Verlag einfach drauf. Ich hatte bisher noch kein Buch in der Hand, das nicht irgendwie einen besonderen Touch hatte - und das mag ich! Bei Shadow Falls Camp ist es das Metallic-Cover, das besticht. Übrigens finden sich die Umrisse des Baums als Hintergrund auf den jeweils ersten Seiten der Kapitel wieder. Sehr schön! Auch hinter jeder geraden Seitenzahl (sofern diese Seite kein Kapitelanfang ist) schmiegen sich kleine Sternchen an. Ich weiß, das sidn - vielleicht - unwichtige Details, aber sie zeigen in meinen Augen einfach eine ganz besondere Liebe zum Buch.

Geschrieben ist Geboren um Mitternacht aus Kylies Sicht, der Hauptprotagonisten, in der Vergangenheitsform. Obwohl die Sichtweise distanziert ist - immerhin wählte die Autorin nicht die Ich-Form - so empfand ich mich selbst Kylie doch als sehr nah. Obwohl sie, muss ich leider sagen, auf den ersten 100 Seiten etwas blass und labil wirkt. Andererseits mag es auch daran liegen, dass ich schlichtweg nicht mehr in Kylies Alter bin. Ich empfand Kylie aber nicht so extrem als launischen Teenie. Sondern bereits etwas gefasster, aber eben auch noch nicht ganz erwachsen.
Die kurzen Kapitel gehen oft nahtlos ineinander über. Meistens auch so spannend, dass ich mir zwar oft vornahm: "Noch ein Kapitel und dann hör ich auf!", aber umgesetzt habe ich das eher selten. Einfach, weil ich weiterlesen musste.
Dann komme ich auch schon leider zu den Kritikpunkten. Es ist keine originelle Story. Tut mir Leid. Wer etwas wirklich Außergewöhnliches lesen möchte, der sollte lieber zu Daughter of Smoke and Bone greifen. Wenn man schon einiges an Jugendliteratur gelesen hat - und auch die großen Titel à la Twilight, House of Night, etc. - dann lässt es sich meiner Meinung nach nicht vermeiden auch Parallelen zu ziehen. Und die gibt es - leider - zu Hauf. Gleich zu Beginn hat mich Geboren um Mitternacht doch sehr an die Die dunklen Mächte Trilogie erinnert. Ohne jetzt weiter vorgreifen zu wollen. Nur so viel: Der Eindruck hat sich erhärtet. Und obwohl ich "nur" die ersten beiden Bände House of Night gelesen habe (und die haben mir vollauf gereicht), konnte ich auch hier wieder Parallelen ziehen. Ebenso wie zu Evernight und Twilight.
Kurz und ein bisschen böse ausgedrückt: Man nehme 500 g House of Night, mische es mit 150 g Evernight und füge eine Prise Twilight hinzu. Als Überzug garniere man es mit Die dunklen Mächte.
Vielleicht bin ich für die großen Gefühlswirrungen und -irrungen schon zu alt, aber die Warnung "Dating Camp" ist ernst zu nehmen. Es geht viel um eine - wie könnte es anders sein? - Dreiecks- oder beinahe-Vierecks-Geschichte und um viel Herzschmerz und "Willst du mit mir gehen?". Soap-Opera trifft es vielleicht auch ganz gut. Für die angepeilte Zielgruppe finde ich es aber passend. Denn wer tatsächlich gerne eine Camp-/Internatsgeschichte mit viel Herzschmerz und unkontrollierten Hormonausschüttungen liest, wer mit die erste richtige Liebe, die erste Trennung, die Anziehungskraft zwischen den Teenies erleben will - ja, selbst einer ist. Der ist hier goldrichtig.
Ich persönlich fand die Grundidee super. Ein Camp, das Teenies, die bestimmte Gaben haben, diese aber (noch) nicht so ganz kontrollieren können, hilft mit eben jenen umzugehen sehr interessant und vielversprechend. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin noch ein bisschen mehr in die Tiefe geht und ein bisschen weniger auf "Dating" setzte. Denn schreiben das kann C. C. Hunter vorzüglich! Auch die Spannung, die bis zum Ende hin aufgebaut wird und die sich im nächsten (und übernächsten?) Band fortsetzt, kann die Autorin meiner Meinung nach durchaus halten.
Beim Lesen selbst war ich wirklich hin und her gerissen. Einerseits wollte ich unbedingt wissen, welche Gabe Kylie nun hat, wer sie ist (wie sie es selbst auch wissen wollte). Ich fühlte mit ihr mit, musste Schmunzeln und war einfach nur neugierig. Aber andererseits fielen mir die obigen Kritikpunkte immer wieder ins Auge - oder ins "Kino meines Kopfes". Trotzdem erwarte ich bereits mit Spannung den zweiten Band. Immerhin sind noch nicht alle Fragen geklärt und ich möchte wissen, wie es mit den Charakteren, die ich mittlerweile sehr lieb gewonnen habe, weitergehen wird.

Kurz: Sehr viel Klischee, sehr viel Parallelen zu anderen "Young-Adult-Riesen" und nicht besonders originell. Trotzdem fesselt der Erzählstil der Autorin und die Charaktere wachsen innerhalb eines Blinzelns so ans Herz, das man sie nur schwerlich wieder ziehen lassen möchte.



Weitere Informationen:
Verlag: Fischer Jugendbuch
Übersetzer: Tanja Hamer
Taschenbuch, Klappbroschur
Seiten: 512
Originaltitel: Born at Midnight
Reihe: Shadow Falls / Shadow Falls Camp
ISBN: 978-3-8414-2127-2
Preis: [D] 14,99 €
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Danke an Blogg dein Buch und Fischer Jugendbuch für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 2. Juni 2012

[Rezension] Ghostwalker - Tag der Rache von Michelle Raven

6. Band (Abschluss)


Inhalt:
Nach der Flucht der Gestaltwandler aus dem Labor des Geschäftsmanns Lee sinnt dieser auf Rache. Als er die Flüchtigen in einer Auswilderungsstation in Namibia aufspürt, sieht er seine Chance gekommen, endlich zuzuschlagen. Vor anderthalb Jahren hatte der Wandler Harken die Station verlassen, um die Leiterin Mia zu schützen. Nun ist die Löwenwandlerin dennoch ins Blickfeld des Feindes geraten. Harken bleibt keine Wahl, als zurückzukehren und die Frau zu retten, die er liebt …

[Quelle: egmont-lyx.de]


>>Leseprobe<<



Harken, Caruso und die Berglöwenwandler sind ihrem Feind Lee auf der Spur - dummerweise hat diese sich verflüchtigt. Um die Opfer von Lees Machenschaften aus seiner Reichweite zu bringen, organisiert Harken einen Transport nach Namibia - zu Shapes of Life, einer Auswilderungsstation, die Mia Leore leitet.
Doch Lee hat seine Augen und Ohren überall und scheint wieder einen Schritt vor den Berglöwenwandlern zu sein...

Der sechste und letzte Band der Ghostwalker Reihe.
Ich glaub, ich hab schon erwähnt, dass ich diese Reihe liebe, oder? Ich war und bin ein bisschen traurig, dass die Geschichte nun zu Ende ist. Aber sie hat ein würdiges Ende gefunden und lässt den Leser nicht ratlos zurück.
Aber zurück zum Anfang: Auch bei diesem Band ging es mir wieder so, dass mir die Geschichte nicht schnell genug voran ging. Es war beinahe schon zu spannend. Immer wieder, wenn ich dachte: Jetzt sind sie Lee endlich mal auf der Spur! Nein, Raven hat kunstvoll diesen Schritt hinausgezögert. So erfährt man beispielsweise zu Beginn sehr viel über Harken. wo er herkommt, welche Wandlerart er ist, was er überhaupt mit Lee zu schaffen hat, bzw. warum er ihn selbst jagt.
Auch die anderen Paare der vorangegangenen Bände haben sozusagen ihren letzten Auftritt. Was gleichzeitig auch bedeutet, dass die Geschichte wieder aus mehreren Perspektiven (plus Lees) erzählt wird. Ich finde gerade diese Erzählweise sehr reizvoll, da sie dynamisch ist und man als Leser einerseits sehr viele Einblicke und (Hintergrund)Infos erhält, andererseits schafft es die Autorin aber auch trotzdem eine... hm Grundspannung aufrecht zu erhalten. Gerade Lees Motive bleiben wirklich bis fast zum Schluss verschleiert. Ich hatte zwar nach ein paar Kapiteln (dieses Bandes) eine grobe Ahnung, warum Lee die Wandler jagt, aber trotzdem blieb diese eben nur eine Ahnung. Hier hätte ich mir aber... hm, einen etwas "tieferen" Grund erwartet. Oder anders: Ich konnte es, trotz Einblicke in Lees Sichtweise, nicht so ganz nachvollziehen. Nicht diesen unbändigen Groll, diese riesengroße Besessenheit. Das ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt.
Obwohl Isabel und Bowen ja im letzten Band ihren großen Auftritt hatten, kamen sie auch jetzt wieder nicht zu kurz. Caruso und Dawn wurden, meiner Meinung nach, ein bisschen zu flach abgehandelt. Allerdings konnte ich mit Dawn auch nicht so viel anfangen, weswegen ich es nicht ganz so schlimm fand. Im Mittelpunkt stehen aber Harken und Mia, deren Geschichte auch wieder sehr herzzereißend ist und besonders mit Harken konnte ich sehr mitfühlen.
Ich muss dazu sagen, dass die erste Hälfte von Tag der Rache schon sehr, ähm, erotisch ist. Klar, gibt es auch in den vorangegangenen Bänden die ein oder andere explizite Szene, aber hier wurde man beinahe damit erschlagen. Nicht, dass ich mich beschweren wollte. Ich habe es eher als Schmankerl empfunden. So gerät zwar der eigentliche Plot ein klein wenig in den Hintergrund, aber dann geht es Schlag auf Schlag voran.

Kurz: Ich bin (wieder einmal) restlos begeistert. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiede ich mich von den Ghostwalkern, die mich wirklich wunderbar unterhalten haben, die für viel Spannung und Gefühl sorgten, die mich in ihre Welt eingeladen und abtauchen ließen. Danke! Und vielleicht auf bald (in einem Reread?!)!



Weitere Informationen:
Verlag: EgmontLYX
Taschenbuch, kartoniert mit Klappe
Seiten: 432
Reihe: Ghostwalker
ISBN: 978-3-8025-8509-8
Preis: [D] 9,99 €
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Samstag, 5. Mai 2012

[Literaturkritik] Kriegsbraut von Dirk Kurbjuweit

Frauen in Afghanistan? Geht nicht? Geht doch! Oder?

Dirk Kurbjuweit versucht in seinem neuesten Roman die Erfahrungen einer deutschen Soldatin zu schildern. Er enthüllt eine ganz andere Perspektive auf den Krieg in Afghanistan, aber einen stereotypen auf die Gefühlswelt einer jungen Frau.  


PENG, PENG, PENG. Ratter, ratter, ratter. Schreien. Explosion. Staub. Rauch. Verwundete. Sirenengeheul. Dröhn, dröhn, dröhn. KRACH, BUMM, PENG.

So kennen wir den Krieg. Aus den Nachrichten. Aus alten und neuen Filmen. Je brutaler, desto spektakulärer. Laut ist der Krieg. Ständig werden Schüsse abgegeben. PENG, PENG, PENG. Die deutschen Soldaten auf dem Vormarsch. Furchtlos. Kämpfend. Männer.

Und Afghanistan? Was verbinden wir mit dem südasiatischen Binnenstaat? Hindukusch? Wüste? Karge Landschaft? Taliban? Krieg? Kurbjuweit beschreibt in seinem Roman Kriegsbraut die Berge als „gelbbraun, schroff, faltig“ mit weißen Kuppen „als läge eine weiße Hand auf dem Gipfel“. Eine „gelbe Landschaft“. Die Taliban sind die bösen Geister in Kriegsbraut. Immer da, drohend, aber doch nicht anfassbar. „Ein Krieg, hatte sie (Esther) immer gedacht, ist laut, nun starb sie an der Stille.“ So zieht sich der Krieg durch den gesamten Roman. Ruhig, nervenzehrend, still. Afghanistan zusammengefasst? „Diese fürchterlich nackten Berge, die hermetischen Dörfer, die grimmigen Männer und unsichtbaren Frauen, die Taliban, der so merkwürdig leise Krieg.“

In dieses Setting verschleppt Dirk Kurbjuweit den Leser in Kriegsbraut. Die Kriegsbraut, die deutsche Soldatin, der Leutnant: Das ist Esther, Esther Dieffenbach. Geboren in der DDR, dort aufgewachsen, mit zehn die Wende, studierte Informatikerin, Bardame und 2006 in Afghanistan stationiert – in der „gewaltigen Ödnis“ und mit Frauen in blauen Burkas. Aber erst mal von vorn.

Zu Beginn gewährt Kurbjuweit einen kurzen Einblick aus Afghanistan, 2006. Doch wie kommt eine junge Frau in dieses Land? Die Wurzel diesen Übels liegt zwei Jahre zurück: Esther hat sich von ihrem langjährigen Freund Jasper getrennt. Sie will ausbrechen, Neues erleben, ihr eigenes Leben leben. Statt als Informatikerin zu arbeiten, jobbt sie in einer Bar in Berlin. Sie ist ausgeglichen, wild, frei, aber hungrig nach mehr. Dort lernt sie Thilo kennen. Einen Filmemacher, verheiratet, Kinder.

Aber Esther stört die Moral nicht. Nein. Sie beginnt eine Affäre, lernt Frau und Kinder kennen und versteht dann, dass sie nie ein Leben mit Thilo allein führen wird.

Was macht die emanzipierte Frau dann? Genau. Sie meldet sich zur Bundeswehr. Am besten gleich sofort nach Afghanistan. So ähnlich ist es dann auch. Esther sucht das Abenteuer und doch muss sie feststellen, dass der Krieg kein Abenteuer ist. Nicht einmal das, was sie aus den Nachrichten kennt. Das Lager ist tröge und öde. Sie reißt sich um den Posten, zu einer Schule weit draußen im afghanischen Land zu fahren. Nur um sich dort mal wieder als Frau beweisen zu müssen. Sie lernt den Schulleiter Mehsud näher kennen und – unvermeidlich – verliebt sich in ihn.

Nein, Esther ist kein Teenager mehr, der seine Hormone nicht ganz unter Kontrolle hat. Esther ist 26, 27, so genau wird es im Roman nicht erwähnt. Eine erwachsene Frau. Soldatin. Leutnant. Und doch wegen Liebeskummer in Afghanistan.

Vom Krieg erfährt der Leser nur wenig. Indirekt. Es ist stetig dasselbe: Lager, Fahrt zur Schule, zurück, Lager, Stube. Doch die Stimmung, die Kurbjuweit beschreibt, wird immer drückender – genau wie die afghanische Hitze. Die Sprache ist bildlich, metaphorisch. Die Beschreibung einer Schlucht klingt so: „Die Felsen links und rechts der Zufahrt standen eng beieinander, kippten fast aufeinander zu, als wären sie bereit, wirklich zu kippen und dieses Tor zu verschließen, um bewahren und verdauen zu können, was sie sich einverleibt hatten.“ Kurze Satzfragmente wie Erinnerungsfetzen werden dann, wie hier, von langen Sätzen – ganz unjournalistisch – abgelöst. So entsteht immer wieder der Eindruck von Heranzoomen und Wegzoomen. Ran, weg, ran, weg. Fokussieren, nicht so detailliert, selbst im Kopf ergänzen.

Ein Schuss fällt. PENG. Die Taliban greifen an! Das waren die Taliban! Die haben einen Kameraden getroffen! Alle aus den Stuben!

Nein, so ist das nicht. „Der Oberfeldwebel war pissen, und bei dem, der ihn sichern sollte, hat sich ein Schuss gelöst, und die Kugel ist dem Oberfeld durch den Rücken in den Bauch gefahren und vorne wieder raus.“ Schlimme Sache, aber er überlebt’s. Das nächste Gefecht lässt auf sich warten. Lager, Schule, Lager, Schule. Esther hat Angst vor Kochtöpfen, weil die Taliban da Bomben reinstecken und wenn man den Deckel hebt – KABOOM! Die Nerven liegen blank. Die Gegend spiegelt das wieder: Kahl, sandig, heiß.

RATTER, RATTER, RATTER. Auf dem Rückweg von der Schule geraten Esther und ihre drei Kameraden unter Beschuss. Die Schüsse schlagen in die Fahrzeuge und neben die Soldaten ein wie kleine Bomben. Zwei Tote auf deutscher Seite. „Habt ihr irgendwelche Zivilisten gesehen?“ Die Amis kommen zur Hilfe. Im Hubschrauber. Zisch. Bumm. Weg ist der Hof. Waren doch Zivilisten dort? Mutter, zwei Kinder?

Alles in Ordnung? Volltreffer. „Na dann, Honey. Habt einen schönen Tag.“, zwitschert die amerikanische Pilotin und weg ist die Unterstützung. Mit den Folgen muss Esther allein klar kommen. Fünf tote Taliban, dazu eine Frau, zwei Kinder. Hätte Esther den Tod von Mutter und Söhnen verhindern können?

Nicht nur Taliban getroffen, auch Zivilisten. Ein offenes Geheimnis in der Bundeswehr, obwohl Esther – allen Vorurteilen zum Trotz – nicht getratscht hat. Sonst wussten nur Männer davon. Esther verkeilt sich danach immer mehr in der Liebesgeschichte zu ihrem Mehsud, dem afghanischen Schuldirektor. Ihm öffnet sie sich langsam. Sonst ist sie eher schweigsam, weil Schweigen die Familie zusammen hält. Denn Esther ist in der DDR geboren. Die Mutter Meeresbiologin, aber doch mit typischem Rollenbild des Heimchens am Herd. Dem Vater untergeordnet. Doch Schweigen – das kann Familie Dieffenbach.

Ist die Stille und das Schweigen, die Ereignislosigkeit nun der wahre Krieg? Die Frau, die Soldatin aus Liebeskummer wurde? Der Eindruck drängt sich in Kurbjuweits Roman auf. Schon im Titel verbindet er zwei Gegensätze. Einmal mit Krieg das Grausame, die Schattenseiten, die Brutalität. Mit Braut das Weibliche, Geordnete, die Weichheit. Die Sicht aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Der Kriegsbraut Esther, einer jungen Frau, die von ganz anderen Gefühlen und Gedanken getrieben wird als man es von Soldaten annehmen würde. Die durch eine fixe Idee in den Krieg zieht und nicht daran denkt als Braut zurück zu kommen.


Dirk Kurbjuweit: Kriegsbraut;
Rowohlt Berlin, 2011;
336 S., 19,95 €

Freitag, 4. Mai 2012

[Rezension] Flammen der Begierde von Kresley Cole

8. Band

Inhalt:
Die Walküre Lucia ist mit einem Fluch belegt, der sie unvorstellbare Schmerzen erleiden lässt, sollte sie ihr Keuschheitsgelübde brechen. Jahrhundertelang hat sie jeder Versuchung widerstanden – bis Lucia auf den dunklen Prinz der Lykae trifft! Garreth MacRieve weckt in Lucia eine lang verborgene Leidenschaft, die sie an den Rand der Verzweiflung treibt ...

[Quelle: egmont-lyx.de]



>>Leseprobe<<



Lucia hat vor langer, langer Zeit einen Fehler begangen. Die Konsequenzen dafür muss sie noch heute tragen. Aber nicht nur ein Fluch begleitet ihr Leben, sondern auch eine Gabe, die sie zur besten Bogenschützin weltweit macht. Lucia ist in ihrem Koven die vernünftige unter den Walküren, bedacht und eher ruhig. Bis sie eines Tages auf den Dunklen Prinz der Lykaner trifft: Garreth MacRieve. Der Werwolf weiß sofort, wer vor ihm steht: Seine Gefährtin!
Doch Lucia ist die Jägerin und lässt sich nicht so einfach einfangen...

Der achte Band der Immortals After Dark Reihe.
Es gibt hier einige Überschneidungen mit den vorangegangenen Bänden. Insgesamt kann man den Band sicherlich auch unabhängig von den anderen lesen. Ich würde aber empfehlen zumindest Nacht des Begehrens und Versuchung des Blutes vorher zu lesen. Der Band enthält jetzt zwar keine direkten Spoiler zu den beiden erwähnten, aber ich denke man hat mehr Spaß erst Nacht des Begehrens, Versuchung des Blutes und anschließend Flammen der Begierde zu lesen.
Ich fange diesmal erst mit meinen Kritikpunkten an: Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber mir geht es langsam ein bisschen auf den Zeiger, dass der weibliche Part immer die Jungfrau sein muss (egal wie alt - und wir sprechen hier nicht von "Jugendlichen"). Oder zumindest sehr unerfahren. Gerade bei Kresley Cole stößt mir das doch öfter auf. Wohingegen der Mann immer schon der absolut sexerprobte Hengst ist - sorry. Das ist so unglaubwürdig und... nervig einfach. Mir ist durchaus bewusst, dass es früher für die weiblichen Mythenweltbewohner etwas schwer gewesen sein muss (in "unserer" Welt), denn sie waren/sind halt nun mal Frauen. Aber die Mythenwelt an sich scheint ja anders hierarchiert zu sein...
Einerlei. Was mich auch ein bisschen... enttäuscht hat, ist, dass man nichts von Lucias frühester Vergangenheit erfährt. Die Begebnisse mit ihrem Fluch werden zwar durchaus logisch aufgeklärt, aber eine Frage stellt sich trotz allem noch, die nur vage beantwortet wurde. Die Frage ist nun, ob das Absicht war, weil es eventuell in einem folgenden Band noch wichtig wird/werden könnte oder ob es einfach vergessen wurde. Ich weiß es nicht.
Was aber alles wieder herausreißt - und ich werde niemals müde das zu betonen - ist Coles Schreibstil. Diese Frau schreibt einfach dermaßen fesselnd, bildlich und sinnlich, dass meine Augen quasi wie Saugnäpfe an den Seiten hängen und ich das Buch am liebsten mit Klebstoff an meinen Händen festkleben würde, damit ich es ja nicht weglegen muss. Mich begeistert die Mythenwelt - auch wenn man diesmal nicht so viel Neues und Tieferliegendes erfährt - immer wieder.
Besonders fasziniert mich, neben dem Aufbau, auch, wie Cole es schafft so viele Handlungen teilweise parallel laufen zu lassen ohne dass es langweilig wird einem bestimmten Strang zu folgen. Fehler oder Unlogik hab ich bisher (noch?) nicht entdeckt. Als Leser kann man sich an bestimmten Punkten aus den anderen Bänden orientieren, was einerseits zu einem Aha-Effekt führt und andererseits wiederholt ohne dass es wirklich aufdringlich wäre.
Den Plot fand ich diesmal nicht ganz so megaspannend, aber das Ende hat definitiv Lust auf viel mehr gemacht. Apropos "Lust": Auch hier gibt es wieder ziemlich explizite und heiße Szenen. Denn eine große Prise Erotik ist bei jedem Cole-Band unabdingbar. Man muss diesen Kniff mögen, dann hat man sehr viel Spaß damit in die Mythenwelt abzutauchen.

Kurz: Einige Überschneidungen, ein paar kleine Kritikpunkte, aber dennoch wieder ein sehr schöner Band. Das Ende macht vor allem auf den folgenden extrem neugierig. Kresley Cole wie man sie kennt und liebt.



Weitere Informationen:
Verlag: EgmontLYX
Übersetzer: Bettina Oder
Taschenbuch, kartoniert mit Klappe
Seiten: 480
Originaltitel: Pleasure of a Dark Prince
Reihe: Immortals After Dark
ISBN: 978-3-8025-8610-1
Preis: [D] 9,99 €
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Donnerstag, 3. Mai 2012

[Rezension] Du oder die große Liebe von Simone Elkeles

3. Band

Inhalt:
Eigentlich wollte Luis Fuentes sich auf der Hochzeit von seinem Bruder Alex mit dessen Freundin Brittany nur mit den Mädchen amüsieren – aber dann trifft er Nikki und verliebt sich postwendend in sie. Doch das Letzte, was Nikki will, ist, sich nach dem Fiasko mit Marco auf einen weiteren Latino-Macho einzulassen – und so gibt sie Luis einen Korb. Blöd nur, dass der überaus attraktive Luis ihr seit ihrem ersten Treffen partout nicht mehr aus dem Kopf geht! Noch blöder allerdings, dass Luis gerade, als die Sache zwischen ihm und Nikki ernst wird, in die Fänge der gefährlichen Latino Blood Gang gerät ...

[Quelle: randomhouse.de]


>>Leseprobe<<



Als Luis auf der Hochzeit seines älteren Bruders Alex ist, trifft er seinen Engel: Nikki. Doch Nikki versucht allem zu entgehen, was auch nur entfernt an eine Liebesbeziehung erinnert. Jungs sind schließlich alle doof, denn Nikki hat Liebeskummer wegen einem, der sie gewaltig an Luis erinnert.
2 Jahre später zieht Luis mit seiner Mutter in die alte Heimat nach Chicago und begegnet Nikki wieder. Doch die will immer noch nichts von ihm wissen - aus gutem Grund, denkt sie. Ob Luis ihr doch seine aufrichtige Liebe beweisen kann?

Der dritte und letzte Band um die Fuentes Brüder.
Zum Schreibstil kann ich nur immer wieder sagen: Absolut fesselnd und absolut unvergleichlich. Denn Simone Elkeles hat es mal wieder geschafft, mich vollkommen in die Geschichte um die Fuentes-Brüder hinein zu ziehen. Auch wenn sich die Inhaltsangabe, wie auch bei den vorherigen Bänden, jetzt nicht so extrem spannend anhört, wissen Kenner doch: Das täuscht nur!
Luis ist anders als seine Brüder. Er war und ist kein Krimineller, aber vor allem ein Beschützer - das haben die drei wohl dann doch gemeinsam. Er ist selbstsicher, aber kein Macho oder zu überzeugt von sich. Seine Familia steht an erster Stelle, was später noch zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt wird. Anfangs dachte ich echt, dass es mit Luis weniger... ähm, mexicano Probleme geben wird. Aber dann fiel mir eine Andeutung in den Vorgängerbänden ein, die mich dann aber doch überrumpelt hatte!
Zugegeben diese Wendung oder vielmehr ihre Konsequenzen fand ich etwas gezwungen. Nachvollziehbar in jedem Fall - keine Frage. Auch hat es mich - ja, ja - ein bisschen gestört, dass auch wieder Luis als... "großer Macker" hingestellt wird. Er ist, wie seine Brüder in den vorherigen Bänden, erst 17! Bei Alex, okay, eine Sache. Bei Carlos? Er ist eben der Großkotz und Draufgänger. Aber Luis? Nein, ich erwarte nicht, dass er jungfräulich ist, aber auch hier hatte ich (wieder) das Gefühl, dass er schon einmal im ganzen Staat war - böse ausgedrückt.
Ich kritisiere hier echt auf hohem Niveau und wer den Band liest ohne die Vorgänger zu kennen (möglich, verdirbt aber vielleicht ein bisschen den Spaß auf die ersten beiden Bände), dem wird das (vielleicht) auch nicht so negativ auffallen.
Nikki ist eine ganz herzliche Person. Anders als Brittany und Kiara. Nicht nur, weil sie eine Latina ist, die kein Spanisch spricht, sondern weil sie "verstecktes Temperament" hat. Nikki ist nicht offensichtlich schnell aus der Ruhe zu bringen, geht auch eher kühl mit ihrer Umgebung um und doch offenbart sie in manchen Szenen ein ganz bestimmtes Feuer und Kampfgeist.
Tatsächlich spielen auch wieder Alex und Carlos eine Rolle im Buch, eine untergeordnete, aber immerhin. Vor allem gibt es eine Szene mit den drei Brüdern und ihren Freundinnen, die so herzlich, lustig und einfach familiär ist... Wen das nicht berührt, der muss ein Herz aus Stein haben. Ich hab mich jedenfalls auf jeder Seite, in jeder Zeile und bei jedem Satz auf hohem Niveau unterhalten gefühlt. Der Epilog rundet die Geschichte um die Fuentes-Brüder dann noch ab, obwohl ich zugeben muss, dass ich es schon mit einem weinenden Auge sehe, weil mir alle Protagonisten während der drei Bände sehr ans Herz gewachsen sind.
Nach dem ersten Band konnte ich mir, ehrlich gesagt, nicht so gut vorstellen, ob mich die Geschichte um Carlos und Luis noch so mitziehen kann. Immerhin sind es ja "die kleinen Brüder", aber die beiden konnten mit meinen 'Vorurteilen' aufräumen, durchwirbeln und mich vollauf mitziehen.

Kurz: Ein gelungener Abschlussband um die drei aufwirbelnden Brüder. Auch Luis und Nikki wissen mit ihrer lustigen, tragischen und herzergreifenden Geschichte wieder auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Trilogie sollte in keinem Buchregal fehlen, weil sie auch eine Geschichte zum immer und immer und immer wieder lesen ist!



Weitere Informationen:
Verlag: cbt
Übersetzer: Katrin Weingran
Taschenbuch
Seiten: 384
Originaltitel: Chain Reaction
Reihe: Fuentes
ISBN: 978-3-570-30808-0
Preis: [D] 8,99 €
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Montag, 30. April 2012

[Rezension] Das Orangenmädchen von Jostein Gaarder


Inhalt:
Georg ist 15 und lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und der kleinen Miriam in Oslo. An seinen Vater kann er sich kaum noch erinnern; er ist gestorben, als Georg vier war. Doch nun, elf Jahre später, greift Georgs Vater wieder in sein Leben ein -- mit einem langen Brief, der all die Jahre versteckt war. Die Lektüre dieses Abschiedsbriefes ist für Georg eine Reise in die Vergangenheit. Doch bald begreift er, dass es darin auch um seine Zukunft geht, zum Beispiel um die Frage, wie er es mit der Liebe hält. Und dem Leben. Sein Vater konnte ihm keine Antworten mehr geben. Aber er konnte seinem Sohn die richtigen Fragen stellen.

[Quelle: dtv.de]


>>Leseprobe<<



Als Georg vier war starb sein Vater. Georg kann sich nicht mehr an ihn erinnern - oder doch? Jetzt ist Georg fünfzehn und er weiß nicht, ob seine Erinnerungen "echte" Erinnerungen an seinen Vater sind oder nur "eingebildete" Erinnerungen - von Fotos und Videos, aus Erzählungen.
Georg lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner kleinen Halbschwester immer noch im selben Haus in Oslo. Als eines Tages plötzlich seine Großeltern (väterlicherseits) auftauchen und ihm etwas ganz besonderes mitbringen: Einen Brief von seinem toten Vater an Georg adressiert. Dort schildert der Vater sein Erlebnis mit dem "Orangenmädchen" und schreibt den Brief in die Zukunft: An den 'großen' Georg.

Normalerweise entspricht Das Orangenmädchen nicht ganz meinem Beuteschema. Es hörte sich aber gut an, war dünn und der Autor kam mir auch bekannt vor. Ach ja, von Sofies Welt. Nein, gelesen hab ich dieses Buch nie, denn auch das entsprach nicht wirklich meinem Beuteschema. Aber dem Autor wollte ich eine Chance geben.
Ich will jetzt das Buch nicht schlecht machen, denn das ist es nicht. Es gab herzliche und rührige Szenen - keine Frage. Die Idee verdient auch einen Bonuspunkt. Nicht nur, weil der (sterbende) Vater dem Sohn in der Zukunft einen Brief schreibt, sondern auch wegen der Idee rund um das Orangenmädchen.
Das Buch wird aus zweierlei Sicht erzählt: Einmal aus Georgs-Sicht (Ich-Perspektive) und einmal aus der Sicht, in Briefform (mehr oder weniger) seines Vaters (ebenfalls ich Perspektive). Dadurch, dass Georg zum Geschehen Kommentare einwirft, Fragen beantwortet, die ihm sein Vater stellt(e), ist es auch manchmal eine Art Dialog zwischen den Beiden. Es ist schon ein recht dynamisches Buch und trotz seiner wenigen Seiten steckt unglaublich viel darin.
Es ist eine sehr philosophische Geschichte, finde ich. Denn Georgs Vater Jan-Olav erzählt nicht nur seine eigene große Liebesgeschichte, sein Leben, sondern streut immer wieder seine Gedankengänge ein - ähnlich wie sein Sohn. Georg schreibt ein bisschen jünger, direkter, konzentrierter, wirkt aber dennoch schon reifer. Beide sind sympathisch - keine Frage, doch Jan-Olav hat mich teilweise ein bisschen verzweifeln lassen. Er ist ein Träumer, muss man dazu sagen. Ein bisschen wie ein Goldfisch, der sich - scheinbar - nicht wirklich lange auf eine Sache konzentrieren oder sich gar für eine 'Traumwelt' entscheiden kann.
Das hat manch eine Passage wirklich schwer gemacht. Anfangs war es vielleicht noch niedlich, aber nach ein paar Seiten ging mir diese Träumerei und diese Hirngespinste echt auf die Nerven. Da fing es an mich zu quälen. Zum Glück hat es nie so lange gedauert. Zwar spielte ich zwischendrin mit dem Gedanken das Buch abzubrechen, aber ich wollte doch wissen, wer nun 'das Orangenmädchen' ist, obwohl ich es mir fast von Anfang an schon gedacht habe.
Woran Jan-Olav, bzw. Georgs Vater, nun genau gestorben ist - da kann ich nur mutmaßen. Es wäre schön gewesen, wenn man das noch genauer erfahren hätte.
Wer ein etwas tiefgründigeres Jugendbuch sucht, das in gewisser Weise dem Sinn des Lebens nachgeht. Wer sich gern in Gedankenwelten verliert und "Was wäre wenn..." spielt, der ist hier sicher richtig. Meins war's nicht ganz.

Kurz: Stellenweise etwas zäh und etwas zu träumerisch. Eine philosophische Komponente lässt sich auch nicht von der Hand weisen. Eine etwas schwere, nachdenkliche Lektüre über das Leben, die Liebe und das Glück.



Weitere Informationen:
Special zum Autor
Verlag: dtv
Übersetzer: Gabriele Haefs
Taschenbuch
Seiten: 192
Originaltitel: Appelsinpiken
ISBN: 978-3-423-13396-8
Preis: [D] 8,90 €

Sonntag, 29. April 2012

[Rezension] 0.4 Eine perfekte neue Welt von Mike Lancaster


Inhalt:
Ein einziger Moment, eine einzige Entscheidung, können manchmal das ganze Leben verändern. Als der fünfzehnjährige Kyle Straker sich als Freiwilliger für eine Hypnosevorführung meldet, ahnt er nicht, dass er damit sein Schicksal besiegelt. Denn als Kyle aus seiner Trance erwacht, erwartet ihn ein unglaublicher Anblick: Alle anderen Einwohner seiner Stadt, seine Familie und Freunde sind reglos eingefroren. Kein Blinzeln, kein Beben der Nasenflügel – nichts und niemand bewegt sich mehr. Als die Menschen endlich erwachen, wird alles nur noch schlimmer. Für Kyle beginnt ein wahrer Albtraum: Alle um ihn herum sind wie ausgewechselt und er fühlt sich zunehmend bedroht. Zwar ist er angeblich in einer perfekten neuen Welt erwacht. Doch wie perfekt ist eine Welt, in der er nicht sein darf, wer er ist?

[Quelle: oetinger.de]


>>Leseprobe<<



Kyle lebt in einem kleinen Ort, wo jeder jeden kennt. Einmal im Jahr findet eine ganz besondere Veranstaltung statt: Ein Talentwettbewerb, zudem fast das ganze Dorf kommt. An diesem Wettbewerb nimmt auch Kyles Freund Danny teil, der die Leute hypnotisieren will.
Doch dann geschieht etwas... Kyle hat sich freiwillig gemeldet sich hypnotisieren zu lassen, aber als er und die anderen drei Freiwilligen wieder "aufwachen", ist nichts mehr wie es war...

Der Inhalt ist wirklich schwer zusammen zu fassen, wenn man nicht will, dass man zu viel verrät. Ich kann nur so viel sagen, dass es ein wirklich eindringliches Buch ist. Erst passiert nicht viel, man lernt die Protagonisten kennen, allen voran natürlich Kyle und genau diese eine Wendung ist Dreh- und Angelpunkt des gesamten Plots.
Aber erst einmal allgemein: Das Buch ist abgeschlossen und anders. Das sieht man schon allein an der Gestaltung. Nach dem Inhaltsverzeichnis wird der Leser vorm Weiterlesen gewarnt. Es folgt eine Vorbemerkung des Herausgebers (= Autors). Der Roman ist eine Erzählung von Kyle, die er auf Kassette gesprochen und aufgenommen hat - in Buchform. Gleichzeitig gibt es immer wieder Bemerkungen vom 'Herausgeber', die etwas (aus der 'Zukunft') erklären. Auch im Nachwort meldet sich wieder der 'Herausgeber' zu Wort und schließt das Buch damit ab.
Wie schon erwähnt, wird die Geschichte von Kyle aus der Ich-Perspektive erzählt. Er schildert seine Erlebnisse einer... nein, unserer Welt. Doch plötzlich ist von einem Augenblick auf den anderen alles anders. Das weiß man als Leser schon vorher, dass etwas im Argen liegt, dass etwas eingreifendes passiert ist, aber was genau findet man nur Stück für Stück - wie Kyle selbst - heraus.
Dem ein oder anderen mag der Anfang etwas zu zäh sein. Es wird lange darüber spekuliert, was genau passiert ist. Ich habe auch jegliche Optionen beim Lesen immer wieder hin und her geschoben, aber ein richtiges Bild kam nie so ganz raus. Es ist sehr spannend aufgebaut, es geht immer um dieses eine Rätsel, was denn los ist. Brotkrumen werden verfolgt - im wahrsten Sinne des Wortes. Bis es dann zum Schluss aufgelöst wird. Selbst durch die Anmerkungen erhält man keinen wirklich Hinweis.
Kyle selbst als Charakter ist ein netter Junge. Er erzählt seine Geschichte gut und eindringlich. Später konnte ich mehr mit ihm mitfühlen, obwohl ich von Anfang an mit ihm mitfieberte. Die anderen Charaktere werden (natürlich) nur durch Kyle gefiltert und so erfährt man jetzt nicht so extrem viel über sie. Ich würde behaupten, dass hier auch mehr der Plot und die rätselhaften Ereignisse im Vordergrund stehen statt die Protagonisten (die mehr eine Art 'Werkzeug' sind).
Zum Ende gibt es ein Zitat aus dem Buch: "Nein, es gibt kein Happy End, aber ein Ende muss schon sein." (S. 257) Was hier tatsächlich so zum Nachdenken und Nachgrübeln einläd ist das Ende. Nicht nur, weil man es durchaus weiterspinnen kann, obwohl die Geschichte an sich erzählt ist. Sondern auch, weil man sich dem vollen Umfang der "Wendung" bewusst werden kann (sollte/muss).

Kurz: Eine andere Art von "Zukunftsroman", den ich gar nicht so recht einordnen kann. Man könnte es als "Dystopie" bezeichnen, aber vielleicht auch als "Utopie". Kyles Geschichte läd zum Nachdenken ein, zum miträtseln und auch zum mitfühlen.



Weitere Informationen:
Trailer
Verlag: Oetinger
Übersetzer: Peter Knecht
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 272
Originaltitel: 0.4
ISBN: 978-3-7891-4120-1
Preis: [D] 14,95 €

Samstag, 28. April 2012

[Rezension] Das falsche Herz des Meeres von Hilke Rosenboom



Inhalt:
Wangerooge, 1854: Leevke wird auf einem arabischen Handelsschiff von Piraten entführt! Doch dem jungen Kapitän Hanrib el Aniil gelingt es, sein Schiff zurückzuerobern. Mit dem Mädchen an Bord segelt er in Richtung Rabat … Dort bringt Hanrib sie im Palast seines Bruders unter. Umgeben von unermesslichem Luxus, hat Leevke nur ein Ziel: auszubrechen aus ihrem goldenen Käfig. Als sie fliehen kann, beginnt eine abenteuerliche Reise quer durch Afrika und Europa. Was sie nicht weiß: Hanrib folgt ihr wie ein Schatten …

[Quelle: randomhouse.de]


>>Leseprobe<<



Leevke Magnussen und ihre kleine Schwester Ebba verlieren in einer Nacht ihre Mutter (bei der Geburt des kleinen Bruders) und den Vater. Leevkes Vater ist Kapitän, die Familie wohlhabend - eigentlich. Doch Leevke ist minderjährig und so übernimmt der Landvogt die Vormundschaft und eine befreundete Familie nimmt Leevke und ihre Schwester auf.
Doch Leevke ist ein aufbrausendes, junges Mädchen, das sich von ihrer besten Freundin überreden lässt, auszubrechen. Weg von der kleinen Insel Wangerooge. Nach Hamburg soll es gehen. Eine Anstellung als Dienstmädchen gebe es dort zu Hauf. Wie gut, dass Leevke das Meeresherz, ein Stück Bernstein in Form eines Herzens, vor den raffgierigen Händen des Landvogts retten konnte.
Als Leevke eben jenes Stück an Händler verkaufen will, die vor Wangerooge anlegen, gerät sie in die Fänge von Piraten... und mit ihnen auf eine weite und lange Reise.

Das falsche Herz des Meeres ist genau das richtige Buch für Fernweh, für Interesse an andere Kulturen und für starke Mädchen.
Der Einstieg fiel mir etwas schwer. Denn Leevke ist ein richtiges Seemannsmädchen und es kommen im gesamten Buch so viele "Fachwörter" der Seemanssprache vor, die man sicherlich schon mal gehört hat, aber eben nicht genau weiß, was es ist. Leider gibt es auch kein Glossar, das ich an dieser Stelle wirklich etwas vermisst habe. Man braucht es jetzt zwar nicht zum Verständnis der Geschichte, aber es hätte sie noch eindringlicher gemacht, finde ich, noch bunter und lebendiger.
Auch mit Leevke hatte ich anfangs Probleme. Sie ist 14 und schon da ein starkes Mädchen mit Charakter. Mutig, wenn auch noch manchmal unsicher. Besserwisserisch (oft mehr als gerade gut für sie ist) und ihrer Zeit einfach meilenweit voraus. Sie ist ein bisschen wie das Meer, das sich nicht von den Menschen zähmen lässt, das keine Grenzen kennt und doch auf welche stößt. Doch nach und nach mochte ich Leevke immer mehr und bewunderte dieses harte, salzige Mädchen. Sie ist klug, vielleicht ein bisschen naseweis, ungestühm und furchtbar neugierig und wissbegierig. Außerdem hat Leevke die ganz besondere Gabe das Meer zu lesen - was ich aber etwas unrealistisch fand. Nicht, weil ich nicht glaube, dass es Menschen mit diesem Talent tatsächlich so gibt. Sondern weil Leevke zwar von ihrem Vater viel über Seefahrt, das Meer gelernt hat, aber eben nie selbst direkt auf dem Meer war. Zumindest wird das so nicht im Buch erwähnt.
Den rauen Charme der Nordsee hat Hilke Rosenboom sehr gut eingefangen. Die Geschichte beginnt ja auf Wangerooge. Die Menschen sprechen noch verständlich, aber eben auch mit dem 'typischen' Dialekt. Der Leser begleitet Leevke in Form des Er-Erzählers (Vergangenheit) und ich würde behaupten, dass selbst im Orient und später in Venedig immer ein bisschen von Wangerooge mitschwingt - nicht nur durch Leevkes Gedanken. Gleichzeitig ist auch Hanrib el Aniil immer präsent, auch wenn er als Charakter an sich nicht so präsent ist. Die zarte Liebesgeschichte, die sich hier entspinnt, ist eher... ich will nicht sagen nebensächlich, denn sie nimmt durchaus einigen Raum ein, aber eher unterschwellig. Ja, unterschwellig.
Die Autorin entführt Leevke - und mit ihr die Leser - in eine so wunderbare, duftende, bunte Welt, die alles vermischt: Kultur, Liebe, Sehnsucht, Fernweh, Heimweh, Freundschaft, Verrat, Graumsamkeit, Freundlichkeit, Abneigung, Zerrissensein. Man lernt sicherlich auch noch einiges über Schifffahrt, Marokkos Kultur, das Venedig des 19. Jahrhunderts. Alle Charaktere haben dabei - wie auch die Welt und die Geschichte, der Plot an sich - ihre Ecken und Kanten. Aber das macht für mich einen Roman immer so lebendig und realistisch. Auch wenn sich einige Stellen etwas ziehen, wird es nie langweilig.
Fragen bleiben zum Schluss an sich keine offen. Der Leser kann die Geschichte im Kopf gut weiterspinnen, aber im Endeffekt ist alles gesagt. Die Wendung zwischen Leevke und ihrer besten Freundin Johanna hat mich zum Schluss sehr erschreckt und ich konnte es nicht ganz nachvollziehen. Da hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht.

Kurz: Ein Buch mit vielen Worten und doch ohne Worte. Das falsche Herz des Meeres hat seine Macken und doch war es eine so wunderbare Reise, die ich jederzeit wieder mitmachen würde - ohne Umschweife.



Weitere Informationen:
Verlag: cbt
Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN: 978-3-570-30485-3
Preis: [D] 8,95 €

Dienstag, 24. April 2012

[Rezension] Küss weiter, Liebling! von Rachel Gibson


Inhalt:
Adele Harris hatte sie alle: Streber, Loser, Egomanen, Langweiler, Sexbesessene und die ganz normalen Wahnsinnigen. Wenn sie doch nur jemanden finden würde wie Zach, ihre erste große Highschool-Liebe, der sie dann allerdings wegen einer anderen sitzengelassen hat. Gut, so perfekt war Zach dann wohl doch nicht. Aber als Adele ihm plötzlich wieder über den Weg läuft muss sie feststellen, dass ihr Teenieschwarm so anziehend ist wie eh und je …

[Quelle: randomhouse.de]


>>Leseprobe<<



Adele Harris sucht den Mann für's Leben - eigentlich. Aber alle Männer, die sie datet sind - um es kurz zu machen - Loser. Ihre Schwester scheint das perfekte Leben zu führen - eigentlich. Doch als die sich, schwanger, von ihrem Mann trennt, braucht sie Adeles Hilfe und Adele sieht sich gezwungen wieder in ihre Heimatstadt zu ziehen.
Dort begegnet sie wieder ihrer ersten Liebe: Zach Zemaitis. Der ließ sie damals wegen seiner Ex sitzen und Adele flüchtete vor ihm. Ob sie ihm diesmal auch wieder entkommen kann?

Es ist leichte, aber unterhaltsame Lektüre. Ich liebe Rachel Gibsons Schreibstil, weil er so fluffig ist, aber auch gleichzeitig so fesselnd und gefühlvoll, dass ich ihre Bücher kaum aus der Hand legen kann.
In Küss weiter, Liebling! geht es nicht nur, um ein bisschen Sport und eine heiße (Erwachsenen-)Romanze, sondern der Roman hat auch einen kleinen fantastischen Einschlag, der äußerst witzig wird. Wie oben schon gesagt, konnte ich auch dieses Buch wirklich kaum aus der Hand legen. Ich habe zwar einmal etwas vorgelesen, sodass ich die grobe Handlung (und das Ende) kannte, aber trotzdem habe ich die Geschichte mit viel Spannung verfolgt und sie ließ mich wirklich kaum aus ihren Fängen.
Zum einen mochte ich die Charaktere, auch wenn Zach fast ein bisschen zu machomäßig war. Zum anderen - das habe ich auch schon oben erwähnt - fesselte mich einfach Gibsons Schreib- und Erzählstil so sehr, dass ich einfach immer wissen musste, wie es mit Adele, Zach und den anderen weiter geht.
Wer hier eine besonders tiefgründige Geschichte erwartet, der ist definitiv falsch. Wer einen gewitzten Plot, ein bisschen "Fantasie" und ein paar heiße Szenen lesen möchte, die einfach unterhalten, der ist platinrichtig!
Erzählt wird die Geschichte übrigens hauptsächlich und abwechselnd aus Zachs und Adeles Sicht - dritte Person, Vergangenheit. Ich konnte mit beiden sehr gut mitfühlen und mitfiebern, auch wenn an sich nicht sooo viel passiert. Ich hatte - wie immer bisher - viel Spaß und kann diese 'schnelle' und locker-flockige Lektüre nur jedem ans Herz lesen, der genau das sucht.

Kurz: Witzig, spritzig, locker, leicht. Zum Lachen, Weinen und mit Spannung mitfiebern. Diesen tollen Mix findet man in Küss weiter, Liebling!. Die Seiten werden nur so dahin fliegen!




Weitere Informationen:
Rachel Gibson FAQ: Antwort auf die meistgestellten Leserfragen
Verlag: Goldmann
Übersetzer: Antje Althans
Taschenbuch
Seiten: 288
Originaltitel: Not Another Bad Date
ISBN: 978-3-442-47032-7
Preis: [D] 8,95 €