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Dienstag, 20. November 2012

[Rezension] Nieundewig von Mary E. Pearson

2. Band
Inhalt:
Bis wann bist du ein Mensch?
Nach einem Autounfall ist Lockes Seele in einem Computer gefangen. 260 Jahre später schlägt er in einem künstlich rekonstruierten Körper die Augen auf – und sofort sind seine Gefühle für Jenna wieder da. Doch hat seine Seele wirklich unbeschadet überlebt? Und warum hat Jenna in all den Jahren nie versucht, ihn zu retten? Die Suche nach der Wahrheit wird für Locke zu einer lebensgefährlichen Reise.

[Quelle: fischerverlage.de]


Habe ich schon gesagt, dass ich Schmetterlinge liebe? Und Rot eigentlich nicht ausstehen kann? Der rote Schmetterling ist schon sehr dominant und passt irgendwie auch nicht zu Locke (um den es ja in Nieundewig geht). Aber sowohl die Covergestaltung als auch der Titel drücken für mich persönlich einfach so etwas... poetisches aus - genau wie das Buch an sich auch. Optisch passt es natürlich auch zum Vorgänger (Zweiunddieselbe). Der Schutzumschlag ist übrigens leicht rau. Es sind diese Details bei der Gestaltung, die ich gerade beim Fischer Jugendbuch Verlag (oder in dem Fall Schatzinsel) so schätze.

Diesmal geht es also um Locke, den wir schon aus dem ersten Band kennen - mehr oder weniger. Er erzählt seine Geschichte selbst (im Präsens) und schafft dadurch eine besondere Nähe. Obwohl ich - leider - sagen muss, dass ich Locke zwar mochte, aber der Funke zu ihm nicht so ganz übergesprungen ist. Da hat es mir Jenna in Zweiunddieselbe leichter gemacht.
Ähnlich wie in Jennas Geschichte ist auch hier die Atmosphäre wieder sehr dicht, ein bisschen melancholisch und regt definitiv wieder zum Nachdenken an. Es ist kein Buch, das man mal eben so weg liest. Nein, es ist vielmehr ein Stück Edelschokolade, das langsam auf der Zunge zergeht. Denn leichte Kost liefert Pearson hier nicht.
Es geht wieder um die Frage: "Bis wann bist du ein Mensch?" Diesmal geht es sogar noch weiter, denn eigentlich sind Locke und Kara "tot", ausgelöscht, nicht mehr existierend. Eigentlich. Aber Locke ist trotzdem ein so lebendiger Charakter mit Ecken und Kanten. Das macht ihn griffiger und realer. Einerseits ist Locke noch der 16-jährige Junge von "damals", gleichzeitig aber auch eine alte Seele. Ihm fehlt - ganz klar - Erfahrung und Entwicklung. Und doch macht er letztere auf den knapp 400 Seiten durch, reift und versucht sich selbst zu finden.
Was ich auch immer wieder faszinierend beim Lesen fand: Wie Pearson sich die Welt in gut 250 Jahren in der Zukunft vorstellt - oder beschreibt. Ihre Zuklunft ist vertraut, aber dennoch ganz anders. Ich hatte nie das Gefühl in einer total "abgespaceten" Zeit zu sein - wo alles möglich und nichts real erscheint.
Auch das Beziehungsgeflecht der Protagonisten (Jenna-Locke-Kara) fand ich spannend. Zum einen, weil Locke und Kara doch noch irgendwie die Teenager sind - und dann auch wieder nicht. Und Jenna hingegen eher die "alte Frau", aber eben dann doch noch Teenie - wenn das einen Sinn ergibt. Dass sich Jenna diesen jungen Menschen in sich all die Jahre erhalten konnte, finde ich schon erstaunlich, wenn man ihre Geschichte bedenkt. Ebenso erstaunlich, wie Locke noch der nette, sympathische Junge von nebenan ist, der zwar jetzt perfekt aussieht, aber dennoch seiner eben nicht perfekten "Fassade" hinterher trauert.
Insgesamt hat Zweiunddieselbe mehr Eindruck bei mir hinterlassen. Dennoch ist Nieundewig eine gelungene Fortsetzung, die einfach (und zum Glück) noch fortgesetzt werden muss. Allein schon, weil die Charaktere so liebenswert sind, der Schreibstil und das Setting einmalig und schlussendlich auch noch einiges geklärt werden soll.

Kurz: Nieundewig ist eines dieser Bücher, die einen lange beschäftigen und die man immer wieder zur Hand nehmen kann.   




Weitere Informationen:
Verlag: Fischer Jugendbuch
Übersetzer: Maren Illinger
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 384
Originaltitel: The Fox Inheritance
Reihe: Jenna Fox Chronicles
ISBN: 978-3-596-85475-2
Preis: [D] 15,99 €
Sturz in die Zeit bei Amazon, bol, buch

Dienstag, 23. August 2011

[Rezension] Zweiunddieselbe von Mary E. Pearson


Inhalt:
Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Spannung verdichtet sich bis ins Unerträgliche, ja fast Klaustrophobische. Denn die Wahrheit, der Jenna Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: Jenna hatte einen furchtbaren Unfall. Ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch was von ihr übrig war, waren nicht mehr als zehn Prozent ihres Gehirns. Wie viel Persönlichkeit steckt in diesen zehn Prozent? Wie viel davon ist Jenna?

[Quelle: fischerverlage.de]



Jenna Fox erwacht nach fast eineinhalb Jahren aus dem Koma. Sie kann sich an nichts erinnern. Wer sie ist, wer die fremden Menschen sind, die sich als Mum und Dad vorstellen.
Mithilfe von privaten Filmaufnahmen soll Jenna sich langsam wieder an alles erinnern. Denn ihre Eltern haben ihr Leben seit jeher filmisch dokumentiert. Doch anfangs kommen ihr die Szenen kaum bekannt vor, aber Jenna kann sich an manche Sachen bruchstückhaft erinnern, an die sie sich eigentlich gar nicht erinnern können sollte. Zum Beispiel an ihre Taufe oder als sie im Alter von zwei Jahren beinahe ertrunken wäre...
Und dann sind da immer wieder die Stimmen ihrer Freunde - Kara und Locke. Los, Jenna! schreien sie ihr zu. Langsam, ganz langsam setzt sich ein Puzzleteil ans nächste und Jenna kommt ihren Eltern und ihren Erinnerungen auf die Spur.

Es gibt keine Kapitel im herkömmlichen Sinn. Das Buch ist vielmehr in Schlagworte unterteilt und erzählt so nach und nach Jennas Geschichte, ihr Leben. Erzählt wird aus Jenna Sicht in der dritten Person. Aber es gibt auch kleine Absätze, die beinahe wie Gedichte aussehen, in denen Jenna dem Leser ihre Gefühle und Gedanken mitteilt.
Pearson schreibt sehr bewegend und spannend. Immer wieder werden kleine Details erwähnt, die erst später zum "Großen Ganzen" zusammengefügt werden. Schritt für Schritt. Sprachlich flüßig und auf eine fast gruselige Weise vereinnahmend erzählt die Autorin ihre Geschichte über ein junges Mädchen ohne Gedächtnis.
Anfangs erinnert es an Skinned von Robin Wasserman. Aber es geht so viel tiefer und baut, meiner Meinung nach, auch viel mehr Spannung auf.
Eigentlich mag man das Buch, einmal angefangen, auch gar nicht mehr aus der Hand legen. Denn Jenna ist ein "leerer Charakter". Irgendwie. Aber Stück für Stück erlangt Jenna ihre Persönlichkeit wieder, bzw. entwickelt eine eigene. Es gilt nicht nur Jennas Entwicklung zu verfolgen, sondern auch die ihrer Freunde und Eltern, wenn auch nur am Rande.
Die Charaktere, neben Jenna, haben alle ihre Ecken und Kanten, was sie persönlicher und realistischer macht. Beim Lesen kommt man fast nicht umhin dieselben Gefühle wie Jenna gegenüber den anderen Protagonisten zu entwickeln: Skepsis und beinahe Misstrauen gegenüber den Eltern, aber auch die kindliche Liebe. Eine bedingungslose Liebe und Enttäuschung, Bedauern gegenüber Lily, der Großmutter. Ein Kribbeln und ein tiefes Gefühl der Freundschaft gegenüber Ethan und Allys.
Einziges, klitzekleines Manko ist, dass man über einen Charakter nicht die volle Wahrheit erfährt, was ich etwas schade fand. Denn um ihn wurde im Buch auch ein kleines-großes Geheimnis gemacht.

Kurz: Eine Zukunftsvision, die mehr als nur ein bisschen zum Nachdenken anregt. Die die menschliche Natur aufzeigt - und ihre Folgen. Und nicht zuletzt eine spannende Geschichte über ein Mädchen, ein Wunderkind, das doch eigentlich nur ganz normal sein möchte.




Weitere Informationen:
Verlag: Fischer Schatzinsel
gebunden, mit Schutzumschlag
Seiten: 336
Originaltitel: The Adoration of Jenna Fox
Reihe: The Jenna Fox Chronicles
ISBN: 978-3-596-85337-3
Preis: [D] 14,95 €